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Hochrisikoplaques stellen asymptomatische Karotisstenose scharf

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Um die Therapiestrategie zu optimieren, sollte sich das Routine-Assessment nicht nur am Stenosegrad orientieren. Um die Therapiestrategie zu optimieren, sollte sich das Routine-Assessment nicht nur am Stenosegrad orientieren. © iStock/VILevi
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Bei der Risikoeinschätzung der asymptomatischen Karotisstenose ist der Grad der Verengung nicht alles. Denn Hochrisikoplaques scheinen häufiger zu sein als bislang gedacht.

Die Debatte um das richtige Management der asymptomatischen Karotisstenose findet kein Ende. Durch neurovaskuläre Imaging-Studien konnte man zwar Merkmale für Hochrisikoplaques beschreiben. Aber es ist unklar, wie häufig solche Schädigungen bei der asymptomatischen Karotisstenose auftreten und wie hoch die jährliche Inzidenz von ipsilateralen Schlaganfällen ist, die von ihnen ausgehen. Dies wäre jedoch für die Planung von randomisierten Studien erforderlich, bei denen die Patienten nach ihrem Risiko selektiert werden, erklären Neurologen der Universitäten Alberta und Adelaide.

Sie haben daher eine systematische Metaanalyse von 64 prospektiven Studien mit insgesamt 20 751 Teilnehmern unternommen. In den Studien war die Prävalenz von Hochrisikoplaques und die Inzidenz ipsilateraler ischämischer zerebrovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit asymptomatischer Karotisstenose untersucht worden.

Schlaganfall wahrscheinlicher als bislang angenommen

Plaques mit Hochrisikomerkmalen fanden sich bei insgesamt 26,5 % der Patienten. Am häufigsten wiesen die Forscher Neovaskularisationen, Echoarmut und lipidreiche nekrotische Kerne nach.

Die Gesamtinzidenz ipsilateraler zerebrovaskulärer Ereignisse betrug 3,2 pro 100 Personenjahre. Bei Patienten mit Hochrisikoplaques lag sie bei 4,3, bei denen ohne bei 1,2. Betrachtete man nur die Studien mit hochgradigen Stenosen, lag die Gesamtinzidenz bei 3,7. Wenn Hochrisikoplaques vorlagen, betrug die Inzidenz 7,3, ohne solche Merkmale 1,7.

Patienten mit asymptomatischer Karotisstenose weisen häufiger als bislang angenommen Hochrisikoplaques auf, schließen die Autoren. Die Prävalenz entsprechender Merkmale war in den untersuchten Publikationen nicht assoziiert mit dem Grad der Stenose. Das in der Metaanalyse ermittelte Risiko für ipsilaterale ­ischämische Ereignisse bei asymptomatischen Stenosen übersteigt bisherige Schätzungen (1 %).

Um die Risikostratifizierung zu verbessern und die Therapiestrategie zu optimieren, sollte sich das Routine-Assessment der asymptomatischen Karotisstenose nicht nur am Stenosegrad orientieren, fordern die Experten. In klinischen Studien würde sich vor der Randomisierung eine multimodale neurovaskuläre Bildgebung empfehlen. Denn: Eine Subgruppe von Patienten mit Hochrisikoplaques könnte vielleicht von einer Revaskularisierung profitieren, auf jeden Fall aber von einer Optimierung der medikamentösen Therapie, damit kardiovaskuläre Risikofaktoren besser kontrolliert werden, erklären die Autoren.

Quelle: Kamtchum-Tatuene J et al. JAMA Neurol 2020; DOI: 10.1001/jamaneurol.2020.2658

Im CT-Angiogramm sind im Bereich der Karotis arteriosklerotische Plaques (weiß) zu erkennen. Im CT-Angiogramm sind im Bereich der Karotis arteriosklerotische Plaques (weiß) zu erkennen. © mauritius images/Science Source/Neil M. Borden
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