Immunsupprimierte sind gar nicht so impfindlich

Medizin und Markt Autor: Dr. Angelika Bischoff

Beim Impfen von Patienten mit Immunsuppression gilt: Totimpfstoffe gehen immer, Lebendimpfstoffe manchmal. © Vertigo Signs – stock.adobe.com

Patienten mit Immunsuppression impfen? Davor schrecken viele Ärzte zurück. Aber diese Patientengruppe braucht den Impfschutz besonders dringend. Wenn man ein paar wenige Regeln beachtet, steht der Vakzinierung selten etwas im Wege.

Menschen, die an einer Immunschwäche leiden, haben ein erhöhtes Risiko, an bestimmten Infektionen zu erkranken. So kommen z.B. Infektionen durch bekapselte Bakterien wie Pneumokokken, Meningokokken und Hämophilus influenzae B gehäuft vor und nehmen einen schwereren Verlauf als bei Menschen mit einer normalen Immunfunktion.

Zwar weisen nur wenige Betroffene einen primären Immundefekt auf, jedoch steigt die Zahl der Patienten, deren Abwehr wegen entzündlichen oder infektiösen Grunderkrankungen bzw. deren Therapie geschwächt ist. Gerade diese Patienten sind besonders auf einen möglichst umfassenden Impfschutz angewiesen. Die Realität sieht jedoch etwas anders aus: Höchstens jeder zweite Immunsupprimierte ist zum Beispiel gegen Pneumokokken geimpft. In Deutschland liegt die Pneumokokken-Impfrate in diesem Kollektiv sogar unter 5 %. Dazu passt das Ergebnis einer aktuellen Patientenumfrage der Firma Pfizer: 44 % der Immunsupprimierten wissen gar nicht, dass sie ein erhöhtes Infektionsrisiko haben.

Wie Dr. Benjamin Schleenvoigt, Infektiologe am Universitätsklinikum in Jena ausführte, muss man sich bei der Impfung am Schweregrad der Immunsuppression, den in der STIKO-Empfehlung genannten Indikationen und den Kontraindikationen für spezielle Impfstoffe sowie an einigen Grundregeln orientieren:

  1. Totimpfstoffe können immer angewendet werden. Dazu gehören Vakzinen gegen Pneumokokken, Meningokokken C/B, Hämophilus influenzae B, Influenza Hepatitis B und Varizellen. Die Impfung schlägt aber umso schlechter an, je schwerer die Unterdrückung ausfällt. Um sicherzugehen, sollte man bei stark Immunsupprimierten den Titer kontrollieren.
  2. Lebendimpfstoffe, beispielsweise gegen Masern, Mumps und Röteln, nur nach genauer Prüfung anwenden.
  3. Wenn möglich sollte die Impfung etwa vier Wochen vor Beginn einer iatrogenen Immunsuppression abgeschlossen sein.

„Leider passiert es in der Praxis häufig, dass eine Immunsuppression angesetzt wird, ohne dass jemand vorher über den Impfstatus des Patienten nachdenkt“, so Dr. Schleenvoigt. Und dann kann es zu spät sein. Denn bei schwerer Immunsuppression sind Lebendimpfungen kontraindiziert.

Quelle: Pressekonferenz „Risiko Immunsuppression – Infektionskrankheiten vorbeugen und richtig impfen“ im Rahmen des 125. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. 2019; Veranstalter: Pfizer