Indikatorenset als entscheidender Schritt zur Diabetes-Surveillance

Autor: Cornelia Kolbeck

Immer mehr Menschen erkranken an Typ-2-Diabetes. © fotolia/Zerbor

Immer mehr Bundesbürger erkranken an Diabetes mellitus, vor allem an Typ-2-Diabetes. Um die Lage bewerten zu können, sollen künftig Primärdaten des Gesundheitsmonitorings am Robert Koch-Institut (RKI) mit relevanten Sekundärdaten auf Bundes- und regionaler Ebene zu einem Diabetes-Surveillance-System zusammengeführt werden.

Ziel der vom RKI zu entwickelnden Public-Health-Surveillance zu Diabetes ist, verlässliche und über die Zeit vergleichbare Aussagen zum Krankheitsgeschehen sowie zu Fortschritten bzw. Herausforderungen in der Prävention und Versorgung von Diabetes mellitus in Deutschland treffen zu können. Der Aufbau des Systems wird bis Ende 2019 wissenschaftlich begleitet. Die Leitung des vom Bundesgesundheitsministeriums geförderten Projekts haben Dr. Christa Scheidt-Nave und Dr. Thomas Ziese inne, Begleitung erfolgt durch einen wissenschaftlichen Beirat. Den Experten wurden – in Anlehnung an das nationale Gesundheitsziel „Dia­betes mellitus Typ 2“ von 2003 – folgende Themenfelder vorgegeben:

  • Entwicklung eines Rahmenkonzepts und Definition eines Kernindikatorensets, das Krankheitslast, Risikofaktoren und Versorgungsqualität des Diabetes abbildet;
  • Bewertung der verfügbaren Daten und Datenlücken sowie der Indikatoren-basierten Integrierbarkeit von Sekundärdaten;
  • Abstimmung zu Inhalten und Format eines periodischen Natio­nalen Diabetes-Berichts unter Berücksichtigung internationaler „Best-Practice-Modelle“;
  • Erstellen eines Prototypen für den Nationalen Diabetes-Bericht;
  • Bewertung der Nationalen Diabetes-Surveillance bezüglich einer Verstetigung und Übertragbarkeit auf andere chronische Krankheiten.

Zur Diskussion gestellt: 30 Kern- und zehn Zusatzindikatoren

Die Auswahl und die Definition der Indikatoren sind inzwischen erfolgt. Es handelt sich um insgesamt 30 Kern- und zehn Zusatzindikatoren. So ordnen sich z.B. in das Handlungsfeld „Diabetes-Risiko reduzieren“ folgende Hauptindikatoren ein: Dia­betes-Inzidenz, Prävalenz bekannter Diabetes, Prävalenz Gestationsdiabetes, Übergewicht/Adipositas, Körperliche Aktivität, Rauchen und Soziale Deprivation. Zusatzindikatoren sind Prädiabetes, Zuckerhaltige Getränke, Absolutes Diabetes-Risiko sowie Kontextfaktoren.

Das RKI hat in einer Sonderausgabe des Journal of Health Monitoring Details zur Erarbeitung der Indikatoren veröffentlicht. Die Auswahl und Definition der Indikatoren erfolgen demnach in einem mehrstufigen Prozess auf Basis von zwei unabhängig voneinander durchgeführten Literaturrecherchen und eines strukturierten Konsensprozesses unter Einschluss interdisziplinärer Expertengremien auf nationaler und internationaler Ebene.

Diabetes-Surveillance – ein Modell für andere Krankheiten

Perspektivisch wird von den Experten die Diabetes-Surveillance als mögliches Modell für die Surveillance anderer chronischer, nicht-übertragbarer Krankheiten (noncommunicable diseases, NCD) gesehen. Eine Übertragbarkeit sei zu prüfen, heißt es. Auch sollte das Indikatorensystem hinsichtlich der Kompatibilität mit entstehenden Gesundheitsinformationssystemen auf der internationalen Ebene (WHO, EU) weiterentwickelt werden.

Nationales Diabetes-Register bleibt notwendig

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft bewertet den Aufbau einer Nationalen Diabetes-Surveillance und einer damit letztlich möglichen besseren Datenlage bundesweit positiv. Dies könne aber nicht den Aufbau eines Nationalen Diabetes-Registers ersetzen, so die Fachgesellschaft:„Um jedoch genau herauszufinden, wie die Versorgungsqualität in den einzelnen Bundesländern verbessert werden kann, sind eine Vernetzung vorhandener, partieller Diabetes-Register und langfristig der gemeinsame Aufbau eines Nationalen Diabetes-Registers notwendig.“