Infektionen erhöhen das Risiko für psychische Erkrankungen

Autor: Kathrin Strobel

Schwere Infekte steigern die Wahrscheinlichkeit psychischer Erkrankungen um 84 %. © iStock.com/Thomas-Soellner

Infektionen während der Kindheit oder eine mangelhafte Vitamin-D-Versorgung im Mutterleib machen anfälliger für psychische Erkrankungen.

Dass eine Infektion auch unerwartete Folgen haben kann, zeigt eine Registerstudie mit den Daten aller Kinder, die zwischen Januar 1995 und Juni 2012 in Dänemark geboren wurden. Die Forscher um Dr. Ole Köhler-Forsberg vom Aarhus University Hospital interessierten sich für alle seit der Geburt behandelten Infektionen sowie die Inzidenz psychischer Erkrankungen. Insgesamt gingen die Daten von mehr als einer Million Kinder in die Analyse ein.

Die Kollegen stellten fest, dass Infektionen, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern, das Risiko für psychische und psychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Zwangsstörungen, Autismus und ADHS um 84 % erhöhen. Auch weniger schwere Infekte, die vom Hausarzt behandelt werden, bleiben nicht ohne Folgen: Sie machen um immerhin 40 % anfälliger für psychische Störungen.

Dass sich auch ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel auf die Psyche auswirken kann, zeigte das Team um Professor Dr. Darryl W. Eyles vom Queensland Brain Institute der University of Queensland. Dieses fand heraus, dass Neugeborene mit Vitamin-D-Mangel ein um 44 % erhöhtes Risiko haben, im Laufe ihres weiteren Lebens an Schizophrenie zu erkranken, als Kinder mit normalen Vitamin-D-Spiegeln. Die Forscher hatten die Vitamin-D-Konzentratio­nen von 2602 Neugeborenen gemessen, die zwischen 1981 und 2000 in Dänemark geboren wurden und später an Schizophrenie erkrankten.

Jede zwölfte Schizophrenie durch Vitamin-D-Mangel

Den Ergebnissen zufolge könnten 8 % aller Schizophreniefälle in Dänemark auf das Konto einer mangelhaften Vitamin-D-Versorgung gehen. Weitere Untersuchungen müssten nun zeigen, ob eine Vitamin-D-Supplementation bei schwangeren Frauen schützend wirken könne, erklärt Studienleiter Professor Dr. John McGrath von der Aarhus University in der begleitenden Pressemitteilung zur Studie.

Quellen:
1. Köhler-Forsberg O et al. JAMA Psychiatry 2018: online first
2. Eyles DW et al. Sci Rep 2018; 8: 17692