Kaffee, Schokolade, Alkohol: Genuss fürs Herz

Autor: Manuela Arand

Vier Tassen Kaffee, eine halbe Tafel Schokolade und ein bisschen Alkohol senken das Insuffizienzrisiko. © iStock.com/stocksnapper

Alles, was schmeckt, ist ungesund, meint der Volksmund. Falsch: Denn Kaffee, Schokolade und Alkohol können – in Maßen genossen – die Herzkraft bewahren.

Wer raucht, verliert im Schnitt bis zu elf Lebensjahre. Wer es schafft aufzuhören, senkt sein Risiko, eine chronische Herzinsuffizienz (CHI) zu bekommen, binnen ca. 15 Jahren auf Nichtraucherniveau, erklärte Privatdozent Dr. Andreas­ Flammer vom Herzzentrum der Universität Zürich. Bei Rauchern korreliert die Schwere der CHI gemessen am NT-proBNP mit der Rauchintensität, also den Zigaretten pro Tag und den Packungsjahren. Ganz klar, dass die Leitlinien dringend zur Rauchentwöhnung raten.

Kakao beruhigt – auch das Gefäßendothel

Bei Kaffee, Schokolade und Alkohol sieht die Datenlage wesentlich gemischter aus. Kaffee und Schokolade enthalten Polyphenole und Flavonoide, denen gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Sie sollen den Blutdruck senken, die Endothelfunktion verbessern und antiinflammatorisch wirken. Für Kakao hat Dr. Flammer das sogar experimentell nachgewiesen. Innerhalb weniger Stunden nach Verzehr von dunkler Schokolade sank der oxidative Stress und das Endothel erholte sich.

Daraus lässt sich aber nicht einfach ableiten, dass diese Lebensmittel tatsächlich „gesund“ sind. Epidemiologische Studien bescheinigen zwar Menschen eine längere Lebenserwartung, die sich flavonoid­reich ernähren. Nur macht eine epidemio­logische Erkenntnis keinen Kausalzusammenhang, zumal die Daten meist retrospektiv erhoben werden.

Mit dem Kaffeetrinken nicht plötzlich wieder aufhören

In einer Metaanalyse von fünf prospektiven Studien mit über 100 000 Teilnehmern wurde der Zusammenhang zwischen Schokoladenverzehr und chronischer Herzinsuffizienz untersucht. Danach geht ein maßvoller Konsum (bis zu einer halben Tafel pro Tag) mit einem reduzierten CHI-Risiko einher. Oberhalb dieser „Dosis“ steigt das Risiko dann wieder an. „Es ist schwierig, Patienten etwas anzuraten, das sie von sich aus nicht tun“, meinte der Kardiologe. „Wenn jemand aber gerne Schokolade isst, sollte er auf gute Qualität achten. Dann kann Schokolade günstig sein, auch weil sie hilft, der Kachexie vorzubeugen.“

Vier Tassen Kaffee pro Tag scheinen ebenfalls vor der chronischen Herzinsuffizienz zu schützen, aber Vorsicht: Wer damit aufhört, steigert sein Risiko. Zwar nicht sehr stark, aber doch immerhin auf das 1,2-Fache. Wer fürchtet, seinen Patienten mit der Kaffee-Empfehlung in die Arrhythmie zu treiben, kann sich beruhigen. Es gibt sogar eine kleine Studie, der zufolge selbst starker Kaffeekonsum nicht gefährlicher ist als komplette Abstinenz. Dr. Flammer forderte allerdings, beim Kaffeetrinken die Flüssigkeitsbilanz nicht aus den Augen zu verlieren.

So einfach ist das mit dem Lebensstil – zumindest theoretisch

Die American Heart Association ist bekannt dafür, einfache Konzepte zu entwickeln, um der Bevölkerung einen gesunden Lebensstil nahezubringen (auch wenn die das oft nicht umsetzt). „Life’s Simple 7“ ist ein Beispiel: Der Score vergibt Punkte für die Grundlagen des gesunden Lebensstils – Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettkontrolle, Nichtrauchen, Gewichtskontrolle, Bewegung und Ernährung. „Jeder Faktor ist protektiv, und das Beste daran ist, sie addieren sich“, kommentierte Dr. Flammer.

Zum Rechner (Englisch): https://bit.ly/2MGJrpx.

Bleibt noch der Alkohol. „Ein schwieriges Thema“, meinte Dr. Flammer. Übermäßiger Alkoholkonsum kann zweifellos eine Herzinsuffizienz fördern, Stichwort: alkoholische Kardiomyopathie. Andererseits gibt es Daten, denen zufolge Senioren, die sich ab und an ein Schlückchen gönnen, seltener an chronischer Herzinsuffizienz erkranken als Abstinenzler. „Es scheint eine J-Kurve zu geben, vor allem bei Männern“, konstatierte der Kardiologe. Bei Frauen ist der Effekt viel weniger eindrucksvoll, und zu Patienten mit manifester CHI gibt es kaum Studien. Es scheint, dass Patienten mit moderatem Alkoholkonsum ein geringeres Sterberisiko haben, aber dafür häufiger stationär aufgenommen werden müssen.

Maßvollen Alkoholkonsum muss man seinen Patienten wohl nicht verbieten. Aus Gesundheitsgründen zum Trinken zu raten, hält Dr. Flammer aber dann doch für fragwürdig.  

Problematisch bleibt, dass es vor allem epidemiologische und mechanistische Studien sind, die einen Nutzen bestimmter Nahrungsbestandteile nahelegen. Randomisierte kontrollierte Studien mit harten Endpunkten lassen sich zum Thema Ernährung kaum durchführen. Also wird sich die ärztliche Beratung auch weiter auf eine Kombination aus Epidemiologie, Erfahrung und gesundem Menschenverstand stützen müssen.

Quelle: Heart Failure 2018