Kohlenhydratverzicht kann bei Diabetes sehr riskant sein

Autor: Friederike Klein

Die Nährwertqualität sollte unter der Diät nicht leiden. © iStock/IGphotography

Pro- und Kontra-Standpunkte zur Low-Carb-Ernährung bei Diabetes lagen bei einer Diskussion beim Frühjahrskongress der DDG eng beieinander. Extrem kohlenhydratarme Kostformen empfahl keiner der Experten. Eine moderat kohlehydratarme Ernährung auf Basis einer mediterranen Nahrungszusammensetzung könnte aber bei Prädiabetes vorteilhaft sein.

Low-Carb-Kostformen sind sehr heterogen“, erläuterte Professor Dr. Anette Buyken, Ernährungswissenschaftlerin an der Universität Paderborn. Ketogene und extrem kohlenhydratarme Diäten mit weniger als 10 % Kohlenhydrat­anteil an der Gesamtenergieaufnahme (weniger als 50 g/Tag) werden bei Patienten mit Diabetes von der DDG explizit nicht empfohlen.

HbA1c- und Triglycerid-Spiegel werden gesenkt

Eine Empfehlung einer weniger extremen kohlenhydratarmen Kost sieht die Fachgesellschaft zumindest nicht als wissenschaftlich begründet an. Eine kohlenhydratarme Kost mit weniger als 130 g Kohlenhydraten pro Tag hat laut einer Metaanalyse1 gegenüber einer Kontrollkost über 3–24 Monate keinen signifikanten Effekt auf das Gewicht von Patienten mit Typ-2-Diabetes, kann aber schon die HbA1c- und TriglyceridSpiegel senken und die HDL-C-Konzentration erhöhen.

Insgesamt ist die Evidenz aber noch nicht sehr groß – die meisten Studien zu Low Carb gibt es für Patienten mit Adipositas und Fettstoffwechselstörungen, aber nicht mit Diabetes. Besondere Vorsicht ist aufgrund der Einflüsse einer Low-Carb-Diät auf die glomeruläre Filtrationsrate geboten. „Das ist eine physiologische Reaktion auf den Anstieg der Proteine in der Nahrung“, meinte Prof. Buyken und hält es für klinisch häufig nicht relevant. Sie räumte aber ein, dass die kohlenhydratreduzierte Kostform bei Patienten mit Diabetes ein Monitoring der Nierenfunktion voraussetze. Daten zum Einsatz von Low Carb bei einer Nephropathie gibt es nicht.

Mediterrane Diät als gesunde Low-Carb-Variante

In Studien mit Teilnehmern ohne Diabetes zeigte sich keine Veränderung der Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen oder der kardiovaskulären Mortalität. Jedoch wurde eine leichte Erhöhung der Gesamtmortaliät verzeichnet.2 Das fand sich in zwei Studien mit Patienten mit Typ-2-Diabetes nicht, Prof. Buyken führt das unter anderem auf die unterschiedliche Umsetzung der Low-Carb-Kostform in Studien zurück.

Als gesunde Variante empfiehlt sie eine mediterrane Diät mit einem mäßig verringerten Kohlenhydratanteil vor allem zur Prävention des Typ-2-Diabetes. Schon bei moderater Kohlenhydratreduktion könne auch der intrahepatische, pankreatische und intraperikardiale Fettanteil gesenkt werden, berichtet sie. Zudem ist diese Ernährungsform auch längerfristig einhaltbar, ist ihre Erfahrung. Die Adhärenz bei „Very Low Carb“ sei dagegen schlecht.

Professor Dr. Hans Hauner, Technische Universität München, warnte insbesondere vor einer Abnahme der Nährwertqualität. Günstige Effekte seien eher zu erwarten, wenn die Ernährung pflanzlich betont erfolgt.

Verringerte Kohlenhydrate nicht durch Fleisch ersetzen

Die verringerten Kohlenhydrate bei Low Carb durch Fleisch zu ersetzen, könne die Mortalität erhöhen. Für ihn gibt es keinen Grund, wa­rum man eine Low-Carb-Diät einer Low-Fat-Diät vorziehen sollte, es sei denn wegen der Präferenz des Patienten.

Quellen:
1. Meng Y et al. Diabetes Res Clin Pract. 2017; 131: 124-131
2. Noto H et al. PlosOne 2013; 8(1): e55030
Diabetes Kongress 2018