Komorbiditäten von Patienten mit Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa mitbehandeln

Autor: Kathrin Strobel

Nimmt man auch die auftretenden Komorbiditäten in Angriff, geht es dem Patienten nicht nur finanziell sondern auch gesundheitlich besser. © iStock/ipopba

Ist der Darm chronisch entzündet, leiden Haut, Herz und Psyche oft mit. Werden die Begleiterkrankungen angegangen, bessert das nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung der Patienten.

Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) sollten am besten von einem interdisziplinären Team betreut werden. Zu diesem Schluss kommen Dr. Marjorie­ Argollo­ vom IBD Center in Mailand und Kollegen. Denn CED sind mit verschiedenen (auch extraintestinalen) Komorbiditäten assoziiert (s. Kasten).

Mögliche Begleiter chronisch-entzündlicher Darmkrankheiten

Durch andere immunvermittelte Erkrankungen wie Psoriasis und rheumatoider Arthritis weiß man, dass sich Komorbiditäten auf die Behandlungskosten, den Therapieerfolg, die Mortalität und die Lebensqualität auswirken. Außerdem ist bekannt, dass sich mit einer auf die Begleiterkrankungen ausgerichteten engmaschigen Betreuung die Gesundheitskosten senken und das klinische Ergebnis verbessern lassen.

Im Fall chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen dürfte dies ähnlich aussehen, vermuten die Autoren. Fest steht bereits, dass Komorbiditäten bei CED das Mortalitätsrisiko steigern. Zudem verlängern hepatische, thromboembolische oder renale Begleiterkrankungen nachweislich die Verweildauer im Krankenhaus. Das wiederum schlägt sich auf die Kosten nieder. Umso wichtiger ist es, Komorbiditäten früh zu erkennen und zu behandeln, so die Kollegen. Das gilt vor allem für Patienten, bei denen eine Immuntherapie ansteht. Die Basis bildet eine umfangreiche Anamnese, die auch Lebensstilfaktoren einschließt. Die klinische Untersuchung sollte durch zusätzliche Tests ergänzt werden (z.B. Überprüfen der Leber- und Nierenfunktion, Osteoporose-Screening und Krebsvorsorge).

Einmal erkannt, gilt es, die Begleiterkrankungen aktiv anzugehen: Vitamin-D- oder Kalziumsupplementation, Impfungen, Rauchstopp, Ernährungsumstellung und psychologische Unterstützung sind mögliche Beispiele der Interventionen. Skalen sowie psychologische Fragebögen können dabei helfen einzuschätzen, in welchem Ausmaß die Krankheit den Patienten beeinträchtigt.

Die Betreuung durch ein multidisziplinäres Team wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf, die Therapieadhärenz, die Lebensqualität sowie die Gesundheitskosten aus, glauben die Autoren. Der nächste Schritt sei nun, speziell für CED einen Komorbiditätsindex zu entwickeln, mit dessen Hilfe Begleit­erkrankungen einfacher diagnostiziert und zielgerichtet behandelt werden können.

Quelle: Argollo M et al. Lancet Gastroenterol Hepatol 2019; 4: 643-654