Kortikosteroid beim Asthmaanfall: Vierfache Dosis, zweifelhafter Nutzen

Autor: Dr. Andrea Wülker

Ziemlich viel heiße Luft: Statt erwarteten 30 % sank die Zahl der schweren Asthma-Exazerbationen bei vierfacher Dosis nur um 19 %. © fotolia/Andrey Popov

Verschlimmert sich das Asthma, mag ein Mehr an inhalativen Kortikosteroiden die Symptome ja tatsächlich lindern. Alles in allem hilft die vorübergehende Dosiserhöhung aber kaum weiter.

Ein britisches Forscherteam untersuchte, ob eine deutliche Dosiserhöhung inhalativer Kortikosteroide (ICS) eine drohende Asthma-Ex­azerbationen abwenden kann. An der Studie nahmen 1922 Jugendliche und Erwachsene teil, die aufgrund ihres Asthmas mit ICS und teilweise mit Add-on-Medikamenten behandelt wurden. Alle hatten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine deutliche Verschlechterung der Erkrankung erfahren. Die Hälfte der Teilnehmer wurde angewiesen, bei ersten Anzeichen einer Exazerbation ihre ICS-Dosis bis zu 14 Tage lang zu vervierfachen. Die übrigen Teilnehmer sollten ihre Steroiddosis auch bei Symptomverschlechterung beibehalten. Alle Teilnehmer durften Bronchodilatatoren anwenden.

In die Auswertung kamen die Daten von 1871 Personen. Während des einjährigen Studienzeitraums entwickelten 420 (45 %) der Patienten aus der Gruppe mit der vierfachen ICS-Dosis eine schwere Asthma-Exazerbationen, gegenüber 484 (52 %) der Patienten aus der Vergleichsgruppe. Das Mehr an Steroiden konnte demnach die Zahl schwerer Asthma-Exazerbationen zwar um 19 % senken – erwartet hatten die Autoren um Dr. Tricia McKeever von der Universität Nottingham aber eine Reduktion um 30 %. Nebenwirkungen wie orale Candidiasis und Dysphonie traten in der Gruppe mit der erhöhter ICS-Gabe häufiger auf.

Professor Dr. Philip G. Bardin von der Monash University Melbourne ist vom Nutzen der Dosisvervierfachung nicht so recht überzeugt – schließlich sei diese Strategie kaum geeignet, Exazerbationen wirkungsvoll zu verhindern. Möglich, dass bestimmte Patienten von einer solchen Behandlungsstrategie profitieren, schreibt er in einem Editorial. Diese Untergruppe von Asthma­patienten müsse man aber erst noch definieren.

1. McKeever T et al. N Engl J Med 2018; 378: 902-910
2. Bardin PG. A.a.O.: 950-952