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Vorhofflimmern und Brustkrebs Krank auf und in der Brust

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Insbesondere Brustkrebs-Patientinnen im fortgeschrittenen Tumorstadium laufen Gefahr, ein Vorhofflimmern zu entwickeln. Insbesondere Brustkrebs-Patientinnen im fortgeschrittenen Tumorstadium laufen Gefahr, ein Vorhofflimmern zu entwickeln. © Leo Lintang – stock.adobe.com
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Brustkrebs steigert das Risiko, ein Vorhofflimmern zu entwickeln. Und je fortgeschrittener das Tumorstadium, umso größer die Gefahr. Das ergab eine aktuelle Studie.

Vorhofflimmern (VHF) ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch in der Onkologie ein großes Thema geworden. Immer mehr Krebskranke leiden darunter. Bisher wusste man wenig über die möglichen Wechselwirkungen zwischen einem VHF und Brustkrebs. Das Team um Dr. Avirup­ Guha­ von der Case Western Reserve University in Cleveland untersuchte nun die Zusammenhänge. Dazu wertete es die Daten von rund 85.000 betroffenen Frauen aus und nutzte dafür ein nationales Krebsregister der USA. Alle Patientinnen waren mindestens 66 Jahre alt.

Bereits vor der Krebsdiagnose litten 11 % an einem Vorhofflimmern. Bei 3,9 % trat es im ersten Jahr nach der Diagnose neu auf, vor allem in den ersten 60 Tagen (0,6 % pro Monat), danach halbierte sich die Rate. Die Ein-Jahres-Inzidenz betrug 3,3 %. In einer ähnlichen Gruppe von Kranken ohne Krebs entdeckten die Kollegen dagegen nur etwa halb so oft ein neues VHF (1,8 %). Als Faktoren, die die erhöhte Inzidenz mitverusachen, vermuten sie den proinflammatorischen Status durch das Tumorleiden, Ungleichgewichte im Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt sowie direkte Effekte des ­Karzinoms. 

Die Überlebensraten unterschieden sich deutlich

Die Forscher ermittelten eine starke Assoziation zwischen der Neuentwicklung der Rhythmusstörung und dem Krebsstadium: Das VHF trat rund viermal so häufig bei Patientinnen im Stadium IV wie im Stadium I gemäß AJCC* auf (adjustierte Hazard Ratio 4,21). Ebenso war das Flimmerrisiko bei Frauen erhöht, die in erster Linie weder Chirurgie noch Bestrahlung erhielten – möglicherweise weil sie sich bereits im riskanteren späteren Tumorstadium befanden. 

Die Ein-Jahres-Überlebensraten der onkologischen Gruppe unterschieden sich deutlich, je nachdem, wann das VHF begonnen hatte. Bei erstmaligem Flimmern innerhalb von 30 Tagen nach der Diagnose betrug sie 62,2 %, in der Gruppe mit bereits länger bestehendem Flimmern etwa 85 %. Bei denjenigen mit neuem VHF war die kardio­vaskuläre Mortalität erhöht, vor allem durch Herzinsuffizienz, bei den anderen nicht. Die brustkrebsspezifische Sterblichkeit differierte dagegen nach einem Jahr nicht. Eine explorative Auswertung, die die Autoren aber wegen der geringen Stichprobengröße noch mit Vorsicht betrachten, zeigte zudem: Krebspatientinnen mit neuem VHF, die ein Antikoagulans erhielten, hatten eine niedrigere Gesamtsterblichkeit. Insgesamt, so schreiben die Kollegen, sprechen ihre Daten dafür, frühzeitig einen Kardiologen hinzuzuziehen, um die Prognose dieser Frauen zu verbessern.

* American Joint Committee on Cancer

Quelle: Guha A et al. Eur Heart J 2021; DOI: 10.1093/eurheartj/ehab745

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