Kutanes Lymphom: Sieht harmlos aus, ist aber Krebs

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Manchmal verbirgt sich hinter unauffällig erscheinenden Plaques doch ein Lymphom. © wikimedia/Bobjgalindo (CC BY-SA 4.0); wikimedia/Ccawblake

Kutane Lymphome können wahre Verwandlungskünstler sein. Vor allem die Mycosis fungo­ides tarnt sich mitunter als harmlose Dermatose – wie die folgenden Fallbeispiele aus der Würzburger Spezialsprechstunde zeigen.

Mal sieht es aus wie eine Pilz­erkrankung, dann wie eine Schuppenflechte oder eine toxische Reaktion – doch die histologische Untersuchung ergibt etwas anderes: eine Mycosis fungoides. So erging es auch vier Patienten, über die das Team um Dr. Kristina­ Röding­ von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Würzburg berichtet. Diese Mimikry-Fälle zeigen, wie leicht primär kutane Lymphome aufgrund ihrer vielfältigen klinischen Präsentation den behandelnden Arzt in die Irre führen können.

Fallbeispiele

Fall 1:
Ein 55 Jahre alter Patient wurde bereits seit mehreren Monaten aufgrund einer vermeintlichen Tinea pedis antimykotisch behandelt – bislang ohne Erfolg. Erst die in der Klinik durchgeführte histologische Untersuchung der gelblichen bis rötlichen, diskret schuppenden Papeln an der rechten Fußsohle ergab schließlich die Diagnose. Die Behandlung erfolgte mittels Bade-PUVA und topischen Glukokortikoiden.

Fall 2:
Anuläre, randbetonte, erythematöse, schuppende Plaques mit zentraler Abblassung bei einer 80-jährigen Patientin sprachen klinisch für eine Tinea corporis. Nachdem sowohl die Direktmikroskopie als auch die Kultur randständig entnommener Hautschuppen mykologisch unauffällig waren, führte auch hier erst die Histologie zur Diagnose.

Fall 3:
Die hyperkeratotischen Plaques eines 80-jährigen Patienten sahen aus wie Hautveränderungen im Rahmen einer Psoriasis vulgaris.

Fall 4:
Auf den ersten Blick deuteten die schuppenden, scharf begrenzten erythematösen Plaques an der rechten Hüfte einer 81-jährigen Patientin auf eine allergische oder irritativ-toxische Reaktion hin, wie sie im Bereich von Tattoos auftreten kann. Durch die histologische Untersuchung der Gewebeprobe konnte das ausgeschlossen werden.

Korrekte Diagnose häufig erst durch die Histologie

Vor allem die Mycosis fungoides präsentiert sich bisweilen nicht mit typischen erythematösen Flecken und infiltrierenden Plaques, sondern imitiert phänotypisch andere Hauterkrankungen wie Vitiligo, Verruca vulgaris, Psoriasis vulgaris oder seborrhoisches Ekzem, erklären die Kollegen. Neben der Syphilis und der Sarkoidose zählen sie daher zu den „Chamäleons der Dermatologie“. Die korrekte Diagnose wird häufig erst anhand des histologischen Befundes gestellt.

Sollten Ihnen also bei einer vermeintlich eindeutigen Blickdiagnose beim zweiten Hinsehen oder im zeitlichen Verlauf doch Zweifel kommen, ist es ratsam, die Haut histologisch analysieren zu lassen. Doch im Initialstadium einer Mycosis fungoides kann dies knifflig sein. Deshalb erfordert die Gewebeuntersuchung eine spezielle Expertise.

Quelle: Röding K, Schrüfer P, Grän F, Olk J, Ueberschaar S, Behle V, Kneitz H, Goebeler M, Wobser M. „Kutane Lymphome - ein vielgestaltiges Krankheitsbild“, Akt Dermatol 2019; 45: 52-59, DOI 10.1055/a-0807-3938 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, New York


Knie eines männlichen 52-jährigen Patienten mit Hautveränderungen als Merkmal der mycosis fungoides. © wikimedia/Bobjgalindo (CC BY-SA 4.0)
Mycosis fungoides am Fuß, die häufig mit einer Psoriasis verwechselt wird. © wikipedia/Ccawblake