Lungenkrebs-Screening für Raucher über 55 Jahren?

Autor: Elisa Sophia Breuer

In Deutschland wird die Lungenkrebsfrüherkennung nicht empfohlen. © iStock/Eraxion

Ein 60-Jähriger raucht seit Jahrzehnten. Durch ein Low-Dose-CT-Screening könnte man bei ihm ein potenzielles Bronchialkarzinom im frühen­ Stadium aufdecken, was die Prognose bessern würde. Ein Stuttgarter Arzt stellt die Indikation in solchen Fällen deshalb großzügig.

"An Lungenkrebs sterben fast so viele Menschen wie an Brust-, Prostata- und Darmkrebs zusammen!“, warnte der Pneumologe Dr. Axel­ T. Kempa­ vom Klinikum Stuttgart. Hierzulande sind das jährlich etwa 40 000 Menschen, 45 000 erkranken in diesem Zeitraum neu. In Europa schafft es das Bronchialkarzinom bei Männern auf Platz 1 im Ranking der tödlichen Tumor­erkrankungen, bei Frauen bereits auf Platz 2.

Doch noch immer wird nur ein kleiner Anteil der Patienten früh dia­gnostiziert und in einem kurativen Stadium therapiert, bedauerte der Referent. Die Crux: „Die Lungenkrebsfrüherkennung ist in Deutschland weder nach der Röntgenverordnung § 19 zugelassen noch von Fachgesellschaften empfohlen.“ Dr. Kempa sieht die Vorgaben allerdings nicht so eng, in vielen Fällen stellt er die Indikation für die Low-Dose-CT eher großzügig. Schließlich bedingt das Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnose die Prognose.

Laut einer Studie stirbt jeder Zweite mit einem T1a-Tumor innerhalb von fünf Jahren. Mit einem Grad-IV-Tumor klettert die Rate rasant auf 98 %. Das Stadium spielt auch für die postoperativen Chancen eine Rolle. 77 bzw. 71 % der Patienten mit pT1a- oder pT1b-Tumoren leben noch fünf Jahre nach der OP. Mit einem pT3-Tumor über 7 cm schrumpft die Zahl hingegen auf grob ein Drittel.

Vorsorge gibt es nicht beim Lungenkarzinom, das Ziel ist vielmehr ein Shift hin zu einer Tumordiagnose in früheren Stadien. Hierfür eignet sich das Low-Dose-CT-Screening, wie Studien nahelegen. Der konventionelle Röntgen-Thorax erscheint dagegen verzichtbar. Im National Lung Screening Trial ließen sich damit deutlich weniger Lungenkrebsfälle aufdecken. Durch die Low-Dose-CT sank im Vergleich zur konventionellen Radiologie das relative Mortalitätsrisiko durch Lungenkrebs um 20 %. Aufgrund der Ergebnisse gilt die Methode in den USA inzwischen als Mittel der Wahl. In Deutschland fand sie dagegen noch keinen Einzug in die Empfehlungen.

Strahlenbelastung durch das Screening ist relativ gering

Als Manko der Studie gilt das Kriterium, Teilnehmer mit Herden von geringer Größe (ab 4 mm) als positiv zu definieren. Dies hätte eine Überdiagnostik zur Folge, gab der Experte zu bedenken. So traten bei der Low-Dose-CT 96,4 % falsch positive Ergebnisse auf. Um eine Übertherapie zu vermeiden, empfahl er ein Follow-up mit dem CT durchzuführen, statt kleine Herde zu exzidieren – trotz Strahlenbelas­tung. „Das Lebenszeitkrebsrisiko durch drei CT-Screenings erhöht sich bei Männern um 0,02 % und bei Frauen um 0,05 %“, so Dr. Kempa. Dennoch müssten Kollegen abwägen, wie häufig sie das Verfahren einsetzen wollen, auch aus budgetären Gründen. Eine Beratung zur Tabakentwöhnung gehöre hingegen zu jeder Therapie.

„Wenn Sie 1000 Risikopatienten, also Raucher über 55 Jahre, screenen“, führte der Pneumologe zum Schluss vor Augen, „verhindern Sie drei Todesfälle.“ 18 Menschen erliegen dem Krebs trotzdem. Dennoch bewertete Dr. Kempa die Daten als gut.

Quelle: 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin