Magnesium zur Migräneprophylaxe?

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Nicht jedem hilft Magnesium bei der Prävention von Migräne. © iStock/PeopleImages

Magnesium hilft nicht jedem zur Vorbeugung von Migräne. Da bei manchen trotz ausreichender Zufuhr ein genetisch bedingter intrazellulärer Mangel besteht, kann eine hoch dosierte Supplementation durchaus helfen. Studien stützen die Hypothese.

Die Migräneprophylaxe mit Magnesiumsalzen wird insbesondere für Kinder und Schwangere empfohlen. Eine Empfehlung für den breiten Einsatz der Prophylaxe gibt die derzeitige Studienlage allerdings nicht her, so das allgemeine Statement. Doch ganz so schlecht schaut es mit der Evidenz doch nicht aus, stellten Alexander von Luckner vom Universitätsklinikum Zürich und seine Kollegen fest. In ihrer systematischen Übersichtsarbeit analysierten sie randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte klinische Studien zum Migräneschutz durch Magnesium bei Erwachsenen.

In einer Studie sank die Zahl der Migränetage signifikant

Die Qualität der fünf in die Auswertung einbezogenen Studien ist zwar heterogen und die Qualität der Untersuchungen hinsichtlich Größe und Design allenfalls mittelmäßig, räumen die Neurologen ein. Insgesamt ergab sich aber in einer der zwei randomisierten und placebokontrollierten Klasse-1-Evidenz-Studien eine signifikante Reduktion der Migränetage bzw. der Migräneattacken. Auch in zwei von drei Klasse-3-Evidenzstudien ging die Zahl der Migräneattacken und -tage signifikant zurück. Das entspricht einem Evidenzgrad C und lässt den Schluss zu, dass eine Migräneprophylaxe mit Magnesium bei einigen Patienten durchaus einen Prophylaxeeffekt hat, schlussfolgern die Autoren.

Gründe für die etwas kontroverse Studienlage zur Migräneprophylaxe gibt es einige. So dürfte vor allem die hohe Placebo-Responderrate von durchschnittlich 30 % bei den insgesamt eher kleinen Studien ins Gewicht gefallen sein, meinen die Autoren. Darüber hinaus ist auch die Pathophysiologie bei den Migränepatienten nicht immer einheitlich. Möglicherweise profitieren vor allem Betroffene mit einem intrazellulären Magnesiummangel. Ein solches Defizit kann selbst bei einer formal ausreichenden Zufuhr aufgrund von genetisch bedingten Homöostasedysbalancen bestehen und dann zusammen mit anderen Faktoren die Anfälligkeit für Migräneanfälle triggern.

Für die probatorische Magnesiumprophylaxe sollte deshalb eine hohe Tagesdosis eines gut bioverfügbaren Magnesiumsalzes verordnet werden, resümieren die Autoren. Auch die Studienlage deckt die Empfehlung ab. Danach sind Erfolge vor allem unter der täglichen Einnahme von 600 mg Magnesiumcitrat zu erwarten.

Quelle: von Luckner A, Riederer F. Headache 2018; 58: 199–209