Mammakarzinom: Anthroposophische Medizin lässt sich gut in die Therapie einbinden

Autor: Dr. Judith Lorenz

Auch Mistelpräparate kommen bei der anthroposophischen Medizin zum Einsatz. © fotolia/Dagmar Gärtner

Zertifiziertes Brustkrebszentrum und anthroposophische Medizin: ein Widerspruch? Im Gegenteil, die Einbindung alternativer Ansätze zahlt sich aus.

Integrative Medizin soll konventionelle und alternative Ansätze miteinander verschmelzen. Die anthroposophische Medizin als Teil davon basiert auf naturheilkundlichen und nicht-pharmakologischen Verfahren und strebt eine ganzheitliche Behandlung an, erklären Dr. Friedemann­ Schad vom Onkologischen Zentrum am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe (GKH) in Berlin und Kollegen. Ziel ist die Förderung der körperlichen und geistigen Heilkräfte.

Das GKH für antroposophische Medizin hat seit 2012 ein zertifiziertes Brustkrebszentrum. Die Autoren analysierten nun Daten von 739 Frauen und zwei Männern, die dort zwischen 2011 und 2016 aufgrund eines primären Mammakarzinoms leitliniengerecht behandelt wurden.

96 % der Patienten nahmen neben der klassischen schulmedizinischen Tumortherapie nicht-pharmakologische Anwendungen in Anspruch. Diese umfassten – in absteigender Häufigkeit – Massagen, psychoonkologische Interventionen, Bewegungstherapien (Heil-Eurythmie, Krankengymnastik), pflegerische Maßnahmen (Umschläge, Einreibungen, Bäder) sowie die Teilnahme an der Kunsttherapie. Etwa ein Drittel der Patienten erhielt Mistelpräparate. In 93 % der Fälle konnten Follow-up-Daten über zwei Jahre ausgewertet werden. Im nationalen Vergleich zu 275 zertifizierten deutschen Brustzentren erfüllte das GKH die zentralen Anforderungen.

Die Ergebnisse belegen nach Ansicht der Kollegen, dass integrative Therapien die konventionellen ergänzen und sich erfolgreich in den Alltag eines zertifizierten Brustzentrums implementieren lassen. Insbesondere der Bedarf an psychoonkologischer Unterstützung sei hoch. Angesichts fehlender Leitlinien zu integrativen Ansätzen in der Onkologie fordern sie weitere Studien zur systematischen Evaluation dieser Versorgungskonzepte.

Quelle: Schad F et al. Complement Med Res 2018; 25: 85-91