Marathonlauf verursacht enormen kardialen Stress

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Jogger sollten lieber bei einem Halbmarathon oder einem gemütlichen Zehn-Kilometer-Lauf bleiben, dem Herz zuliebe. © iStock.com/TeamDAF

Der Legende nach brach der erste Marathonläufer der Geschichte am Ziel tot zusammen. Das ist heute zum Glück die Ausnahme, aber die Strecke geht schon an die (Herz-)Substanz, sagt ein spanisches Forscherteam.

Marathonläufe erfreuen sich zunehmender Beliebtheit auch bei Hobbysportlern, die meinen, ihrer Gesundheit damit etwas Gutes tun. In dieser Hinsicht könnte die Betätigung aber eher kontraproduktiv sein, meint das Team um Dr. Beatriz Lara vom Exercise Physiology Laboratory der Universität Madrid.

Die Wissenschaftler haben bei jeweils 21 trainierten Freizeitläufern über drei verschiedene Langstrecken (Marathon, Halbmarathon, 10 km) nach einem Lauf Blut abgenommen und darin Biomarker für kardialen Stress bestimmt. Dazu zählten hoch sensitives Troponin I und Troponin T, NT-proBNP, herz- und skelettmuskelspezifische CK sowie Myoglobin. Dann verglichen sie die Werte von Sportlern, die verschiedene Entfernungen zurückgelegt hatten.

Troponinkonzentration korreliert mit der Strecke

Mit steigender Distanz nahm die Konzentration beider Troponine zu und die Werte lagen nach dem Marathon deutlich höher als nach dem Halbmarathon. Die sonstigen Kardio-Marker kletterten nur nach den 42,2 km relevant, nicht aber nach der halben Strecke. Alle Sportler gaben eine ähnlich lange Lauferfahrung an und ihr Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen war vergleichbar gering (ca. 3 % über zehn Jahre). Allerdings absolvierten die mit größerer Laufdistanz erwartungsgemäß auch mehr wöchentliche Trainingskilometer.

Lieber nur einen Halbmarathon laufen

Demnach belastet also ein Marathonlauf das Herz ganz erheblich, meinen die Forscher, und zwar wesentlich stärker als die Halbmarathon- und die 10-km-Strecke. Zwar beweisen die gemessenen Blutwerte nicht unbedingt eine Gefahr für die Herzfunktion und inwieweit die Ergebnisse klinisch von Bedeutung sind, müssten weitere Studien prüfen. Möglicherweise bringe aber bei solchen „Hochdosisläufen“ weniger (an Kilometern) tatsächlich mehr (für die Herzgesundheit).

Quelle: Lara B et al. Circulation 2019; 138: 709-711