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Meditieren gegen Migräne?

Autor: Dr. Daniela Erhard

Konnten die Teilnehmer anfangs an 14 Tagen pro Monat ihren Alltag migränebedingt nicht oder nur eingeschränkt bewältigen, war das mit MBSR am Ende der Studie nur noch an fünf Tagen der Fall. (Agenturfoto) Konnten die Teilnehmer anfangs an 14 Tagen pro Monat ihren Alltag migränebedingt nicht oder nur eingeschränkt bewältigen, war das mit MBSR am Ende der Studie nur noch an fünf Tagen der Fall. (Agenturfoto) © iStock/Dean Mitchell
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Die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) kann sich positiv auf viele chronische Schmerzerkrankungen auswirken.

Da liegt die Vermutung nahe, dass die Kombi aus Körperwahrnehmung, Yoga, Meditation, Achtsamkeit und Reflexion auch Migränepatienten hilft. Verglichen mit einer speziell auf Kopfschmerzen ausgerichteten Edukation wirkt sie bei ihnen aber erst auf den zweiten Blick besser.

Professor Dr. Rebecca Wells vom Wake Forest Baptist Health in Winston-Salem und ihre Kollegen hatten 82 Frauen und sieben Männer, die pro Monat etwa 4–20 Tage unter Migräne litten, je zwei Stunden wöchentlich entweder an der MBSR oder der Kopfschmerz-Edukation teilnehmen lassen. Die Patienten der MBSR-Gruppe übten zudem etwa viermal pro Woche eine halbe Stunde zu Hause.1

Zwar wurden Migränetage und Kopfschmerzen seltener – allerdings in beiden Gruppen: Auch noch in Woche 24 nach Ende der achtwöchigen Intervention waren es im Schnitt zwei bis drei Migräne- und drei bis vier Kopfschmerztage pro Monat weniger als vor Beginn der Therapie.

Trotzdem dürfe man daraus nicht schließen, dass die MBSR unwirksam sei, kommentiert Professor Dr. Daniel Cherkin vom Kaiser Permanente Washington Institut in Seattle die Ergebnisse.2

Gelernt, besser mit Schmerzen umzugehen

In seinem begleitenden Editorial weist er auf andere positive Effekte in der MBSR-Gruppe hin: Konnten die Teilnehmer anfangs an 14 Tagen pro Monat ihren Alltag migränebedingt nicht oder nur eingeschränkt bewältigen, war das mit MBSR am Ende der Studie nur noch an fünf Tagen der Fall – ein klinisch relevanter Unterschied, auch im Vergleich zum Kopfschmerz-Programm. Das reduzierte die Beeinträchtigungen in der Interventionsgruppe nur um einen auf elf Tage.

Die Situation der Patienten besserte sich durch die achtsamkeitsbasierte Methode, auch was Lebensqualität, Selbstwirksamkeit, Schmerz-Katastrophisieren und Depressionen betraf, stärker. Außerdem bewerteten MBSR-Probanden durch Hitze zugefügte experimentelle Schmerzreize um rund ein Drittel weniger unangenehm und intensiv als zu Beginn der Studie. Sie hatten durch die Intervention offenbar gelernt, besser mit Schmerzen umzugehen. Unklar bleibt allerdings, wie die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion eine konventionelle Migränetherapie sinnvoll ergänzen kann.

Quellen:
1.
Wells RE et al. JAMA Intern Med 2020; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.7090
2. Cherkin DC. A.a.O.; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.7081

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