Melanom ja oder nein? Dermoskopische Merkmale seltener atypischer Melanome

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Ein untypisches Melanom kann aussehen wie eine ulzerierende Hautläsion, wie hier auf dem Arm einer 74-Jährigen. Ein untypisches Melanom kann aussehen wie eine ulzerierende Hautläsion, wie hier auf dem Arm einer 74-Jährigen. © Science Photo Library/Marazzi, Dr. P.

Es gibt eine Reihe histologisch untypischer kutaner Melanome. Da sie häufig wie entzündliche Läsionen oder andere kutane Neoplasien aussehen, stellen sie selbst für sehr erfahrene Dermatologen eine diagnostische Fallgrube dar.

Von einem Großteil der untypischen Melanomvarianten fehlen Berichte zu charakteristischen dermoskopischen Merkmalen. In einem aktuellen Review haben Riccardo Pampena, Azienda Unità Sanitaria Locale-IRCCS di Reggio Emilia, und Kollegen klinische und dermoskopische Eigenschaften der häufigsten untypischen Melanome zusammengesucht. Die Analyse stützt sich auf 62 Publikationen, die zusammen 433 Fälle beschreiben. Hinzugefügt wurden noch 56 Fälle aus der institutionseigenen Datenbank.

Mit knapp 60 % dieser Tumoren (283 von 489) kam das amelanotische superfizielle spreitende Melanom mit Abstand am häufigsten vor. Andere Typen in absteigender Häufigkeit:

Die atypischen Melanom-Varianten der Metaanalyse

Häufig gefundene Melanome:

  • Amelanotisches SSM (n = 283)
  • Desmoplastisches Melanom (n = 71)
  • Spitzoides Melanom (n = 57)
  • Nävoides Melanom (n = 33)
  • „Animal-type“-Melanom und PEM (n = 18)

Seltener entdeckte Formen:

  • Nested Melanom (n = 10)
  • Ballonzell-Melanom (n = 7)
  • Verruköses Melanom (n = 5)
  • Follikuläres Melanom (n = 3)
  • Primär dermales Melanom (n = 2)

Die seltenen Melanom-Varianten betrafen insgesamt öfter Frauen als Männer. Das mittlere Alter der Patienten betrug 58 Jahre.

Dermatoskop unverzichtbar

Klinisch handelte es sich in knapp drei Viertel der Fälle um palpable und in fast 60 % um amelanotische Tumoren, die an andere gutartige oder maligne Hautveränderungen erinnerten. Dermoskopisch fielen typischerweise ein homogener rosiger Hintergrund, weiße Strukturen und polymorphe Gefäße auf.

Komplett amelanotische Melanome lassen sich dermoskopisch gut abgrenzen, da bei dieser Untersuchung kleinste pigmentierte Bereiche auffallen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. Desmoplastische und primär dermale sowie einige spitzoide Melanome sind häufig amelanotisch, während das superfiziell spreitende Melanom nur selten vollständig pigmentfrei ist.

Die in der Studie identifizierten amelanotischen superfiziell spreitenden Melanome (SSM) waren überwiegend papulös. Unter dem Dermatoskop fiel ein rosaroter Hintergrund mit weißen oder milchig-rosa-Strukturen auf. Die Gefäße waren polymorph, meist linear-irregulär und gesprenkelt.

Das desmoplastische Melanom imponiert als narbenartiger schlecht abgegrenzter Bereich oder indurierte Plaque überwiegend im Hals- und Nackenbereich (Sonnenexposition). Der größere Teil dieser Tumoren aus der Metaanalyse war nicht rein desmoplastisch, es fanden sich auch Anteile anderer Typen – insbesondere Lentigo maligna. Alle wuchsen invasiv, die meisten waren klinisch palpierbar.

Unter dem Dermatoskop wurden bei den rein desmoplastischen Melanomen Chrysalis- Strukturen, milchig-rote Bereiche und Regressionszeichen sichtbar. Pigmentierte Areale kamen hauptsächlich bei den Mischformen vor. Auch atypische Gefäße, vor allem polymorphe und linear-irreguläre waren zu beobachten.

Das spitzoide Melanom kommt überwiegend im mittleren Alter vor. Klinisch zeigen sich wachsende amelanotische oder pigmentierte palpable Plaques (Papeln und Knötchen ebenfalls möglich), meist an der unteren Extremität. Am häufigsten fielen bei den Flecken und Papeln unter dem Dermatoskop ein atypisches Netzwerk, Chrysalis-Strukturen und ein homogener rosiger Hintergrund auf. Gefäße waren häufig sichtbar, meist polymorph und gesprenkelt.

Das nävoide Melanom ähnelt sowohl klinisch als auch histopathologisch intradermalen melanozytischen Nävi, schreiben die Reviewautoren. Es entwickelt sich oft am Körperstamm und an den Gliedmaßen. Dermoskopisch entdeckte man in den untersuchten Studien am häufigsten milienähnliche Zysten, irreguläre oder exzentrische Knötchen, einen blau-weißen Schleier und irreguläre oder exzentrische hyperpigmentierte Flecken.

Das „Animal-type“-Melanom (Melanozytom) und das pigmentierte epitheloide Melanozytom (PEM) klassifiziert die WHO als eine Gruppe kutaner Tumoren mit vergleichsweise geringem Metastasierungsrisiko. Bei dieser Klasse handelt es sich um langsam wachsende pigmentierte Knoten oder Papeln, meist an Extremitäten sowie Kopf und Hals von i.d.R. jüngeren Patienten.

Ein tiertypischer Leberfleck mit Scheinfüßchen

Dermoskopisch sind in allen Läsionen große und zentral homogene oder strukturlose blaue Bereiche zu sehen – manchmal neben schwarzen oder kristallinen Bereichen. Wegen der dunklen Pigmentierung fallen Gefäße kaum auf. Vor allem PEM sind mit einem homogenen Schwarz-Blau-Muster nur sehr schlecht von blauen Nävi zu unterscheiden. Bei der „Animal-type“-Form wurden oft zusätzliche Beobachtungen im umliegenden Bereich gemacht, darunter irreguläre Scheinfüßchen, „Streifen“, Punkte oder Ulzerationen.

Quelle: Pampena R et al. JAMA Dermatol; DOI: 10.1001/jamadermatol.2019.4912