Metabolisches Syndrom: Auch zu viel Schlaf macht dick

Autor: Michael Brendler / Dr. Anja Braunwarth

Wer länger als zehn Stunden schläft, treibt seine Triglyceride in die Höhe. © fotolia/Mary Swift

Zu langer oder zu kurzer Schlaf verursacht Probleme mit Zuckerstoffwechsel, Blutfettwerten und Gewicht. Nun haben koreanische Wissenschaftler erstmals untersucht, ab wann genau eine Unter- oder Überdosis Nachtruhe die Gesundheit gefährdet.

Zum Thema Schlafdauer und Gesundheit liegen vornehmlich epidemiologische Studien vor, die meistens eine U-förmige Assoziation zeigen – d.h., sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf schadet. Doch was ist wirklich die richtige Dosis? Dieser Frage ging das Team um Claire E. Kim von der Abteilung für präventive Medizin der Nationalen Universität in Seoul nach. Dazu führten die Kollegen ein Update einer älteren Studie durch.

Männer, die weniger als sechs Stunden schlummern, so ergab die neue Analyse, von Daten der sogenannten Hexa-Studie errechnet, leiden im Vergleich zu Geschlechtsgenossen, die sechs bis höchstens acht Stunden im Bett liegen, häufiger unter metabolischem Syndrom und Ausdehnung des Hüftumfangs. Schlafen sie länger als zehn Stunden, geht das ebenfalls mit einer erhöhten Inzidenz des metabolischen Syndroms einher, außerdem steigen dann die Triglyceride.

HDL schrumpft, Hüftumfang wächst

Ähnliche Zusammenhänge fanden sich in den Daten der rund 133 000 Koreaner im Alter von 40–69 Jahren auch für Frauen. Zu kurze Ruhezeiten machten sich bei ihnen ebenfalls durch einen vergrößerten Hüftumfang bemerkbar. Das metabolische Syndrom selbst stand beim weiblichen Geschlecht aber nur im Zusammenhang mit zu viel Schlaf, gemeinsam mit höheren Triglycerid- und Blutzuckerwerten, einem größeren Hüftumfang und einem erniedrigten HDL.

Für Männer wird eher zu wenig schlummern gefährlich

Bei den Risikofaktoren für das metabolische Syndrom liegt also wohl ein Geschlechtsunterschied vor, so das Fazit der Autoren. Auf Männer wirkt sich eher eine zu kurze, auf Frauen eine zu lange Schlafdauer aus. Die Gründe für diese Abweichungen wie auch für die Assoziation im Allgemeinen seien jedoch noch ungeklärt. Man vermutet endokrinologische, immunologische und metabolische Prozesse, die möglicherweise in künftigen Studien besser geklärt werden können. 

Quelle: Kim CE et al. BMC Public Health 2018; 18: 720