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Typ-2-Diabetes „Mit der Pumpe reduziert sich der Insulinbedarf“

Autor: Antje Thiel

Patienten mit Typ-2-Diabetes profitieren mehrfach von Insulinpumpen: Insulinbedarf und HbA1c-Werte sinken, die Zeit im Zielbereich steigt. Patienten mit Typ-2-Diabetes profitieren mehrfach von Insulinpumpen: Insulinbedarf und HbA1c-Werte sinken, die Zeit im Zielbereich steigt. © iStock/Branimir76
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Was können Insulinpumpen und Glukosesensoren in der Behandlung des Typ-2-Diabetes bewirken? Eine Diabetologin spricht über ihre Erfahrungen und gibt Tipps für die Praxis.

Schon in den 1990er-Jahren hat die Diabetologin Dr. ­Ingrid­ Schütz-­Fuhrmann­ von der Klinik Hietzing in Wien Typ-2-Diabetespatienten mit Insulinpumpen behandelt. Meist waren dies Personen, die eine massive Insulinresistenz hatten. „Mit einer Pumpe reduzierte sich der Insulinbedarf“, berichtete sie. Auch der HbA1c-Wert lasse sich auf diese Weise verbessern, wenngleich der Effekt bei einem Ausgangswert von unter 8 % eher gering sei. Auf flexible Basalraten und Boluskalkulatoren könne man nach Einschätzung der Referentin beim Typ-2-Dia­betes verzichten. 

Kostenerstattung nur eine Frage der Zeit?

Zur Frage der Kostenerstattung erklärte sie, in Österreich werden Insulinpumpen für Menschen mit Typ-2-Diabetes durchaus genehmigt. „Sie müssen allerdings in der Lage sein, ihr Insulin selbstständig anzupassen. Somit findet hier quasi eine Vorauswahl statt.“ Doch trotz der prinzipiell guten Erfolge sei die Technik kaum verbreitet, schließlich gebe es mittlerweile neue Medikamente zur Behandlung der Insulinresistenz. „Wir können aber mangels Studien nicht sagen, ob eine Insulinpumpe besser wirkt als eine Therapie mit GLP1-Rezeptoragonisten oder SGLT2-Hemmern in Kombination mit einer intensivierten Insulintherapie oder basal unterstützter oraler Therapie“, gab Dr. Schütz-­Fuhrmann­ zu bedenken.

Einen klaren Nutzen für Menschen mit Typ-2-Diabetes sieht sie in CGM-Systemen. „Die kontinuierliche Glukosemessung ist ein ausgezeichnetes Tool, um den Behandlungsplan zu personalisieren.“ Bereits nach einer Geräteeinweisung, ohne nennenswerte Schulung oder Erklärung, zeige sich nach zwölf Wochen ein massiver Effekt: Die HbA1c-Werte sinken im Verlauf, die Patienten erreichen mehr Zeit im Zielbereich (Time in Range, TiR). 

Unabhängig vom Alter haben sie zudem signifikant weniger Hypoglyk­ämien und eine verringerte glykämische Variabilität. „Das sind Effekte, wie man sie auch aus den Studien zum Typ-1-Diabetes kennt“, sagte die Diabetologin. Zum Typ 2 gebe es allerdings leider zu wenige und zu heterogene Untersuchungen. 

Dr. Schütz-Fuhrmann­ blieb zuversichtlich: „CGM kann die intrinsische Motivation der Patienten wecken.“ Dies gelte für Echtzeit-CGM-Systeme ebenso wie für das Flash Glucose Monitoring. Als weiteren Benefit für den Typ-2-Diabetes nannte sie die Vermeidung akuter Komplikationen, insbesondere Hospitalisierungen, infolge von Hyperglykämien. Insgesamt könnte die Technik das Wohlbefinden verbessern und das durch die Erkrankung verursachte Leid reduzieren. 

Diabetestechnologie wirke zwar nicht unmittelbar wie ein Medikament, vielmehr liege der Effekt in den Händen der Anwender. Gut informierten Patienten ermögliche die Technik im Lebensalltag allerdings ein Plus an Sicherheit, welches üblicherweise in klinischen Studien nicht erfasst wird.

Kongressbericht: Diabetes Kongress 2021

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