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Typ-2-Diabetes Muskeln sind bei Älteren oft Mangelware

DGIM 2022 Autor: Maria Weiß

Wenn es an Kraft mangelt, sollte zusätzlich die Muskelmasse untersucht werden. Wenn es an Kraft mangelt, sollte zusätzlich die Muskelmasse untersucht werden. © iStock/id-work
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Patienten mit Typ-2-Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Alter gebrechlich zu werden – auch wenn sie von außen betrachtet eher zu dick wirken.

Nach der MS und dem chronischen Fatiguesyndrom ist der Diabetes der drittstärkste Risikofaktor für Gebrechlichkeit. Zum altersbedingten Muskelverlust gesellen sich häufig ein Bewegungsmangel mit überwiegend sitzender Tätigkeit und sowohl Diabetes als auch Adipositas können per se als chronisch-inflammatorische Zustände einen vermehrten Muskelabbau triggern, wie PD Dr. Andrej Zeyfang von der Klinik für Innere Medizin an der medius-Klinik Ostfildern-Ruit erklärte. Die Insulinresistenz selbst kann ebenfalls eine Sarkopenie fördern.

Um bei Adipösen die Sarkopenie unter den oft noch reichlich vorhandenen Fettmassen zu entdecken, reichen äußerer Eindruck und BMI nicht aus. Einen besseren Einblick geben Untersuchungen wie der SPPB (Short physical performance battery), mit dem sich Balance, Geschwindigkeit und Kraft untersuchen lassen. Ein einfaches Gerät zur Messung der Handkraft zeigt die Muskelkraft der oberen Extremität (Männer mindes­tens 27 kg, Frauen 16 kg) – bei einer Gehgeschwindigkeit > 0,8 m/s ist auch mit den Beinen alles im Lot. Unterschreiten die Werte diese Grenze, sollte zusätzlich die Muskelmasse mittels Bioimpedanzanalyse oder im MRT untersucht werden. Technisch aufgepimpte Badezimmer-Waagen reichen hierfür aber nicht aus.

Gebrechliche Diabetiker haben aber nicht nur Probleme mit dem Laufen. Eine geringe Gehgeschwindigkeit ist bei ihnen auch mit vermehrten kognitiven Einschränkungen verbunden.

Wie kann man den Teufelskreis unterbrechen? Die Vermeidung von Adipositas im mittleren Alter und eine intensivierte körperliche Aktivität in jedem Lebensalter sind hier die entscheidenden Stellschrauben, sagte der Kollege.

Eine Insulintherapie führt bei den meisten Typ-2-Diabetikern dazu, dass sie noch mehr Pfunde anhäufen. Zwar wirkt Insulin im Prinzip auch muskelanabol – dies kommt aber so gut wie nicht zum Tragen. Deshalb sollte auch die Deeskalation einer bereits begonnenen Insulintherapie geprüft werden – insbesondere bei gehäuften Hypoglykämien und dem Wunsch nach Gewichtsreduktion.

SGLT2-Inhibitoren und GLP1-Analoga können auch im Alter eine gute Option zur Behandlung des Typ-2-Diabetes sein. Hier wird überwiegend Fett und nicht Muskelmasse abgebaut. Vorsicht ist aber geboten, wenn die Patienten ohnehin schon kachektisch sind.

Alte Menschen mit Typ-Diabetes noch auf eine radikale Ernährungsumstellung einschwören zu wollen, macht wenig Sinn. Essen ist für alte Menschen oft noch eine der letzten verbleibenden Lebensfreuden, sagte Dr. Zeyfang. Man sollte lieber die Therapie an die Essgewohnheiten der Patienten anpassen.

Kongressbericht: 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)

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