Diabetes und Krebs nicht trennen

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Mehr als die Ernährung ist mit Diabetes zu beachten. © iStock/StockImages_AT

Diabetes und Krebs treffen nicht selten zusammen. Was bedeutet die Krebserkrankung für die Diabetes­therapie und wie wichtig ist die Glukosekontrolle? Dies wurde auf dem diesjährigen ADA-Kongress diskutiert.

Diabetespatienten haben ein um etwa 30 % erhöhtes Risiko für verschiedene Tumorerkrankungen, unter anderem Brust-, Leber-, Darm- und Pankreaskrebs. Je schlechter der Diabetes kontrolliert ist, desto höher steigt das Krebsrisiko – unabhängig vom Körpergewicht, erinnerte Dr. Tahseen Chowdhury, Royal London Hospital.

Der Experte berichtete von potenziellen Mechanismen, die diesem übermäßig häufigen gemeinsamen Auftreten von Diabetes und Krebs scheinbar zugrunde liegen: Insulin wirkt über IGF-1 mitogen, es induziert die Aromatase und erhöht freie Östrogene. Diabetespatienten mit Krebs sind meist stärker insulinresistent als ihre Mitpatienten ohne Krebs.

Diabetes verschlechtert die Prognose

Auch umgekehrt besteht ein Zusammenhang: Leiden Krebspatienten an Diabetes, ist die Krebsmortalität um 30–50 % erhöht. Außerdem steigt das Risiko eines Versagens der Chemo- bzw. Radio­therapie.

Komorbiditäten im Blick behalten

Eine Herausforderung für die Therapie besteht darin, dass diese Patienten neben Diabetes häufig weitere Komorbiditäten aufweisen und toxische Tumortherapien schlechter vertragen. Diese können zu einer Exazerbation der Komorbiditäten führen. Eine Reihe von Krebstherapeutika wie Steroide, LHRH-Analoga, Cisplatin oder mTOR-Inhibitoren können auch eine Hyperglykämie induzieren und das Diabetesrisiko erhöhen.

Dr. Chowdhury nannte einige wichtige Punkte, auf die besonders geachtet werden sollte:

  • Metformin hemmt auch die Krebszellproliferation und ist deshalb ein sehr geeignetes Medikament.
  • Intravenöses Insulin sollte möglichst vermieden werden.
  • Bei einer steroidinduzierten Hyperglykämie sollte vor allem der postprandiale Glukosespiegel gesenkt werden, entweder mit einmal täglich Humaninsulin oder mit prandialen Gliniden.
  • Bei Patienten unter zyklischer Chemotherapie/Steroidtherapie kann es auch nötig sein, die antidiabetische Therapie zyklisch durchzuführen.
  • Patienten mit Steroidmedikation brauchen eine um gesteigerte Insulindosis. Aber nicht vergessen: Wenn die Steroid­gabe beendet wird, muss auch die wieder Insulindosis runter!
  • Hypoglykämien müssen unbedingt vermieden werden.
  • Außerdem brauchten viele Krebspatienten eine hochkalorische Ernährung, bemerkte der Referent. Diese kann im Hinblick auf den Dia­betes jedoch kontraproduktiv sein. Man nimmt zwar an, dass eine strenge Glukoseeinstellung das Outcome der Krebserkrankung verbessert. Dafür gibt es allerdings keinen Beleg aus randomisierten kontrollierten Studien, betonte Dr. Chowdhury.

Quelle: ADA-Kongress Orlando, 22. bis 26. Juni 2018