Partydroge Lachgas

Autor: Dr. Carola Gessner

Rausch aus dem Luftballon: Lachgas © thinkstock

Überhaupt nicht witzig finden Schweizer Kollegen die hohe Prävalenz von Lachgas-Abusus. Exemplarisch schildern sie Fälle aus der Notfallambulanz und warnen vor Folgen chronischen Missbrauchs sowie tödlichen Unfällen.

Vor allem sind es junge Menschen, meist Partygänger, die Distickstoffmonoxid (N2O) als Freizeitdroge konsumieren. Praktisch funktioniert der Substanzabusus so, dass das Lachgas z.B. aus N2O-Patronen für Sahnespender in einen Luftballon gefüllt und dann inhaliert wird. So hatte es auch ein 18-Jähriger gemacht, der dann plötzlich zusammenbrach und sich dabei Schnittverletzungen im Gesicht zuzog – durch Bierflaschenscherben, wie seine Partygenossen angaben.

Lachgas als Partydroge

Ein 20-Jähriger fiel – ebenfalls nach Lachgas-Inhalation aus einem Ballon – nach vorne aufs Gesicht. Wegen Blutungen aus Nase und Mund brachten ihn seine Freunde in die Klinik, wo man eine dislozierte Nasenbeinfraktur feststellte. Gegen ärztlichen Rat verließ der junge Mann, der zudem reichlich getrunken hatte (1,5 Promille im Blut), das Spital.

Ein 24-Jähriger, der nach dem Ballon-Spaß auf einer Party eine Synkope erlitt, zog sich Schmelz-Dentin-Frakturen an mehreren Zähnen zu, zum Teil mit Pulpa-Eröffnung. Zudem bestand der Verdacht auf eine Commotio cerebri. Alle diese jungen Patienten hatten gewissermaßen Glück im Unglück, denn Lachgas-Inhalation kann noch sehr viel ernstere Folgen haben, wie Dr. Evangelia Liakoni und Kollegen von der Abteilung für klinische Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsspital Basel ausführen.

Verletzungsfolgen gehäuft

Die Wirkung, die 30 Sekunden bis wenige Minuten nach der Einatmung auftritt, besteht nicht nur in der gewünschten Entspannung und Euphorie, sondern je nach Dosis durchaus auch in Dysphorie, Verwirrtheit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Blutdruckabfall. Es kann im Verlauf zu Bewusstlosigkeit mit Erstickungsgefahr kommen. Darüber hinaus drohen bei sehr hohen Konzentrationen Folgen wie etwa Hypoxämie, Asphyxie, Hirnschäden und Tod, warnen die Kollegen.

Da der Effekt von Distickstoffmonoxid so schnell abflutet, wie er anflutet, versuchen manche Konsumenten die Wirkung zu verlängern, indem sie in eine Plastiktüte rückatmen. So kommen „versehentliche Todesfälle“ vor – die Opfer werden mit Plastiksäcken über dem Kopf tot aufgefunden.

Megaloblastäre Anämie als Langzeitfolge

Chronischer Lachgasabusus kann wiederum andere sehr ernste Folgen für die Konsumenten haben: Da N2O das Kobalt-Atom von Vit­amin B12 irreversibel oxidiert, tritt unter Umständen eine megalo­blastäre Anämie mit Neuropathie auf. Die neurologisch-psychiatrischen Symptome bestehen unter anderem etwa in Gehschwierigkeiten (Myelopathie) und distalen Sensibilitätsstörungen.

Quelle: Evangelia Liakoni et al., Schweiz Med Forum 2014; 14: 787-788