Pflanzlicher Leberschaden: Bei erhöhten Transaminasen nach Phytotherapeutika fragen

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Inhaltsstoffe des Schöllkrauts wirken wahrscheinlich hepatotoxisch. Inhaltsstoffe des Schöllkrauts wirken wahrscheinlich hepatotoxisch. © iStock/ValentynVolkov

Ein Wesenszug des medikamenteninduzierten Leberschadens ist, dass niemand damit rechnet. Und leider gibt es weder spezifische Symptome noch Marker dafür – nur aufmerksames Beobachten führt auf die richtige Spur – manchmal ist die Ursache pflanzlicher Natur.

Welches Arzneimittel hinter einem medikamentenbedingten Leberschaden steckt, erfährt man praktisch nur im Ausschlussverfahren und anhand des zeitlichen Zusammenhangs mit Beginn einer neuen Medikation, beschrieb Professor Dr. ­Thomas ­Berg von der Klinik für Gastroenterologie am Universitätsklinikum Leipzig. Doch ist ein Präparat erst einmal als leberschädigend erkannt, spricht sich das schnell herum.

In 7,3 % der Fälle waren Asphaltkleesamen der Grund

So geschehen in diesem Jahr beim Asphaltkleesamen, der in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) unter dem Namen Bu Ghu Zhi gegen Osteoporose eingesetzt wird. Und Präparate aus der TCM gehen ohnehin mit einem hohen Risiko für eine arzneimittel­induzierte Leberschädigung einher.

Nachdem es bereits einige Verdachtsfälle einer DILI* durch derartige Arzneimittel gegeben hatte, initiierten Forscher aus Peking eine retrospektive Studie. Sie analysierten alle DILI der Jahre 2005 bis 2017 – und konnten bei 7,3 % der Zwischenfälle den Asphaltkleesamen verantwortlich machen. Die Latenz bis zum Anstieg der ALT betrug im Schnitt 45 Tage, der Wert kletterte im Median auf 673 IU/l. Prof. Berg riet, Präparate aus der TCM, die im Internet stark beworben werden und rezeptfrei käuflich sind, immer in der Differenzialdiagnose erhöhter Transaminasen zu berücksichtigen.

Man müsse aber gar nicht bis nach China gehen, so der Gastroenterologe. Hierzulande sei STW-5 im Verdacht, in seltenen Fällen schwere Leberschäden auslösen zu können. Das habe ein tragischer Fall bestätigt: Bei einer 56-Jährigen war unter dem Phytotherapeutikum gegen Magenbeschwerden die ALT auf das ca. 7-Fache der Norm angestiegen. Die Frau setzte das Präparat ab, woraufhin die Beschwerden zurückkehrten. Also startete sie die Behandlung erneut. Hinzu kam, dass sie gelegentlich Metamizol wegen eines chronischen Schmerzsyndroms einnahm.

STW-5 plus Metamizol als potenziell tödliche Kombi

Der Fall endete im akuten Leberversagen und selbst eine Transplantation konnte die Frau nicht mehr retten. Die Kausaliät wurde über zellbasierte Tests bestätigt, die in STW-5 enthaltenen Inhaltsstoffe des Schöllkrauts könnten also eine Ursache gewesen sein. Inzwischen enthält die Packungsbeilage einen Hinweis auf eine mögliche Hepatotoxizität. Der Schweregrad könnte aber nach Prof. Bergs Einschätzung durch das Metamizol erhöht worden sein.

Auf das leberschädigende Potenzial des Analgetikums deuten auch Ergebnisse einer retrospektiven Studie. Deren Autoren identifizierten unter 154 Patienten in 23 Fällen (15 %) einen Leberschaden, für den sie Metamizol als Auslöser festmachten.

*drug-induced liver injury

Quelle: 9. Hepatologie-Update-Seminar