Reicht Harnzucker-Test beim Typ-2-Diabetes?

Autor: CG

Reicht der Harnzucker-Test beim Typ-2-Diabetes? © Pixabay

Wie war das noch mit der Nierenschwelle? Taucht Glukose im Urin nicht erst dann auf, wenn die Serum-BZ-Werte schon sträflich überschritten sind? Dann müsste die Diabeteskontrolle mittels Harnteststreifen groben Unfug darstellen. Oder doch nicht?

Urinzucker-Selbstmonitoring wird zur Therapiekontrolle bei Typ-2-Diabetikern verbreitet eingesetzt. Im DMP Diabetes findet sich dies sogar als Bestandteil der Schulung, schreibt Dr. Gabriela Wagner von der Universität Düsseldorf in der „Zeitschrift für Allgemeinmedizin“.

Völlig obsolet, warnen Kritiker dieser Methode. Mittels Harnzucker lasse sich die Glykämie allenfalls grob schätzen, und unter der Harnzuckerschwelle schon gar nicht. Das hieße, viele Patienten ohne Glukosurie wiesen inakzeptabel hohe Blutglukose-Werte, auf die Folgen hinsichtlich Gefäßschäden und anderer diabetischer Spätkomplikationen kann man sich ausmalen. Handelt also jeder Doktor grob verantwortlungslos, der seine Schützlinge mit Harnteststreifen hantieren lässt? Mit Hilfe einer systematischen Literaturübersicht versuchte die Kollegin, Antworten zu dieser Frage zu finden.

Urintest genauso gut wie BZ-Selbstkontrolle

In einer Studie an rund 200 Patienten fanden sich im Verlauf von sechs Monaten keine signifikanten Reduktionen des HbA1c-Wertes, egal ob mittels Urin- oder Blutglukose überwacht wurde. In einer weiteren Untersuchung an 61 Patienten verzeichnete man bei intensiver Schulung eine Verbesserung von Nüchtern-BZ und HbA1c-Wert – ebenfalls unabhängig von der Art des Monitorings. Und eine prospektive Studie an 150 Typ-2-Diabetikern geht in die gleiche Richtung: Der HbA1c-Wert sank nach mehreren Unterrichtseinheiten von beinahe 9 % auf 7,5 %, sowohl unter Blut- als auch unter Harnzucker-Monitoring. Auf jeden Fall, ergab eine weitere Arbeit, war fehlende Glukosurie mit exzellenten HbA1c-Werten assoziiert.

Fazit von Dr. Wagner: Es gibt keine Belege dafür, dass das Blutglukose-Monitoring gegenüber dem Urin-Selbstmonitoring überlegen sei. Für Typ-2-Diabetiker mit normaler Nierenschwelle, bei denen nicht zwingend die Normoglykämie angestrebt werde, habe die Kontrolle mit Harnteststreifen auf jeden Fall ihren Platz.

Wissen zum Harnzucker-Test

  • Exakte Interpretation setzt eine normale Nierenschwelle und komplette Harnentleerung voraus.
  • Eine Hypoglykämie ist mit der Methode nicht feststellbar.
  • Die Uringlukose bleibt länger erhöht (Aussage über Zeitraum ab der letzten Blasenentleerung), während der Blutzucker schnell schwanken kann.
  • Negative Uringlukose differenziert nicht zwischen Hypoglykämie, Euglykämie und milder Hyperglykämie. 
  • Flüssigkeitszufuhr und Harnkonzentration beeinflussen die Ergebnisse.
  • Schwere Glukosurie zeigt HbA1c-Werte über 8 % an.