Schwindel bei Ohrinfarkt verschlechtert die Prognose

Autor: Dr. Andrea Wülker

Hatten Schwindelpatienten eine Kortison­spritze bekommen, war der Hörverlust geringer. © fotolia/imohn

Viele Patienten mit Ohrinfarkt leiden zusätzlich an einer Vertigo. Das könnte ein Hinweis auf einen drohenden und dauerhaften Verlust des Hörvermögens sein.

Nahezu jeder dritte Patient mit idiopathischem Hörsturz klagt neben dem Hörverlust auch über Schwindel. Das dürfte damit zusammenhängen, dass Cochlea und Gleichgewichtsorgan direkt nebeneinander liegen. Derzeit seien aber noch viele Fragen zu Pathogenese, Therapie und prognostischen Faktoren beim Ohrinfarkt offen, schreiben Dr. Huiqian Yu und Dr. Huawei­ Li von der Fudan Universität in Schanghai.

Ein Hörsturz liegt vor, wenn das Hörvermögen innerhalb von drei Tagen um mehr als 30 dB in mindestens drei aneinander grenzenden audiometrischen Frequenzen abnimmt. Verschiedene Faktoren können die Erholung des Hörvermögens beeinflussen. Dazu zählen unter anderem ein Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen oder ein Tinnitus, aber auch das Vorliegen einer Vertigo.

Um herauszufinden, welche Assoziation zwischen dem Schwindel und der Prognose nach Hörsturz besteht, führten die beiden Autoren eine systematische Literaturrecherche mit anschließender Metaanalyse durch und werteten die Daten von 4814 Betroffenen aus zehn Studien aus. 1709 dieser Patienten wiesen zusätzlich zum Hörverlust auch Schwindel auf, die übrigen 3105 Personen waren schwindelfrei. Bei 42,13 % der Patienten aus der ersten Gruppe erholte sich das Gehör, bei den Schwindelfreien lag dieser Prozentsatz dagegen bei 60,29 %. Vertigo war demnach signifikant mit einer schlechteren Wiederherstellung des Hörvermögens assoziiert (Odds Ratio 2,22).

Dies galt allerdings nicht für Patienten, deren Hörverlust mit einer Injektion von Kortikosteroiden ins Mittelohr behandelt wurde. In dieser Gruppe stellten die chinesischen Kollegen keinen Zusammenhang zwischen Schwindel und der Prognose fest.

Quelle: Yu H, Li H. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2018; 144: 677-683