Sehnen-Training kuriert den Tennisarm - mit Anleitung

Autor: Dr. Carola Gessner

Beim Tennisarm verursachen die chronisch unterforderten und plötzlich überlasteten Finger- und Handstrecksehnen Schmerzen. © By www.scientificanimations.com (CC BY-SA 4.0)

Zur Therapie des Tennisarms braucht man Geduld, eine Wasserflasche und vielleicht noch einen Besenstiel. Kortison dagegen steht endgültig im Aus.

Ebenso wie der Ausdruck „Tennisarm“ trifft der Terminus „Laterale Epicondylitis“ das Krankheitsbild nicht richtig. Anstelle einer „itis“ besteht vielmehr eine degenerative, reversible Tendinopathie und Tennisspieler sind im Zeitalter von leichten Schlägern und beidhändiger Rückhand nicht mehr das meist betroffene Klientel, schreiben Dr. John Orchard von der Universität Sydney und Alex Kountouris vom Australian Cricket Team Melbourne im „British Medical Journal“.

In Ihrer Praxis bekommen Sie es eher mit Personen zu tun, die nach Jahren körperlicher Inaktivität plötzlich ins Fitness-Studio gehen, wie wild der Gartenarbeit frönen, oder im Urlaub schweres Gepäck gewuchtet haben. Die chronisch unterforderten und plötzlich überlasteten Finger- und Handstrecksehnen verursachen Schmerzen.

Strecksehnen regelmäßig belasten verhütet Tennisarm

Sehnen, die regelmäßig belastet werden, bleiben dagegen im Allgemeinen gesund. Sie machen nur dann Probleme, wenn sie plötzlich und ungewohnt stark beansprucht werden, so die Autoren. Auf dieser Erkenntnis, dass sowohl Über- als auch Unterforderung der Strecksehnen schädlich ist, fußt die physikalische Therapie.

Der Trick besteht darin, die Sehnen durch exzentrisches Training (s. Kasten) an ihr Limit zu bringen, ohne sie zu überlasten. Dies hat sich bei chronischer Achillessehnen-Tendinopathie bewährt und bessert die Beschwerden auch beim „Tennisarm“, so die klinische Erfahrung. Fortdauernde starke Belastung durch Sport oder Arbeit schmälert den Effekt der Physiotherapie und muss in dieser Zeit vermieden werden. Analgetika/NSAR können kurzfristig Symptome lindern, beeinflussen den Verlauf auf längere Sicht jedoch nicht.

Exzentrisches Training

Eine Wasserflasche füllen und los geht‘s mit den Übungen: Patienten mit „Tennisarm“ hilft ein exzentrisches Training der Handstreckersehnen. Abwechselnd wird die gefüllte Flasche von der betroffenen Hand angehoben und wieder abgelegt.

Rote Karte für Kortisonspritze, Nitropflaster off-label, Eigenblut ante portas

Neue Daten zeigen den lange praktizierten Kortison-Injektionen indessen die rote Karte. Eine Meilensteinstudie, die Steroid-Spritzen mit Physiotherapie und „Wait-and-See“ verglich, ergab eine hervorragende Symptomlinderung im Kurzzeitverlauf, aber schädliche Wirkung auf lange Sicht durch Kortison. Diese Therapie-Option kommt deshalb nur noch in Notfällen infrage, z.B. beim Tennisspieler, der gerade mitten im Grand-Slam-Turnier steht, oder dem Studenten, der in wenigen Wochen seine Doktorarbeit fertig haben muss.

Was ist mit Nitropflaster auf den Ellbogen? Eine hochwertige Studie hatte Kurzzeiterfolge belegt. Aber der Einsatz ist off-label, geht mit Nebenwirkungen wie Kopfweh, Schwindel und Hypotonie einher – und zudem muss der Patient ein Pflaster verwenden, das zerteilbar ist, weil die üblichen Patch-Dosierungen für den Tennisarm zu hoch sind.

Ist die Sehnendegeneration mit Hyaluronsäure aufzuhalten?

Spannende neue Daten betreffen Eigenblut und autologes Plasma. Letzteres wird gewonnen, indem man Blut des Patienten zentrifugiert und die schwerste, plättchenreichste Plasmaschicht zur Reinjektion verwendet. Injektionen von plättchenreichem Plasma (PRP) erzielten im Vergleich mit Kortisonspritzen bessere Resultate für bis zu zwei Jahre nach der Therapie. PRP, Eigenblut und die Gabe autologer Stammzellen werden derzeit weiter untersucht.

Eine aktuelle randomisierte, plazebokontrollierte Untersuchung fand auch Therapieerfolge bei der Injektion von Hyaluronsäure-Gel. Möglicherweise haben Gelenkknorpel- und Sehnen-Degeneration in der Pathologie einiges gemeinsam, vermuten die Autoren.

Botulinumtoxin erzwingt die Ruhigstellung des Tennisarms durch Fimgerlähmung

Als effektive Therapieoption hat sich auch Botulinumtoxin erwiesen. Injiziert in die Streckmuskeln des dritten und vierten Fingers erzwingt das Bakteriengift quasi eine Ruhigstellung. Gravierender Nachteil: Der Patient hat für Monate eine behindernde Fingerlähmung. Deshalb kommt Botulinumtoxin nur für Patienten infrage, bei denen man eine Operation in Betracht zieht.

Die Operation stellt eine „Ultima Ratio“ dar. Da sich der „Tennisarm“ in der Regel innerhalb von zwölf Monaten ohnehin bessert, sollte man mindestens ein Jahr warten, bevor Chirurgen ans Werk gehen.

Die moderne evidenzbasierte Medizin hält also eine Reihe von Therapieoptionen für die Epicondylitis lateralis bereit, so das Resümee. Sie können Ihren Patienten versichern, dass die Prognose sowohl in puncto Schmerz als auch in puncto Funktion gut ist, auch wenn sich der Heilungsprozess oft frustrierend in die Länge zieht.

Quelle: John Orchard et al., BMJ 2011; 342: online first