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Pollenallergie Stadtbewohnern blüht etwas

Autor: Dr. Angelika Bischoff/Stefanie Menzel

In manchen Städten ­machen Platanen den Großteil des Baumbestands aus. In manchen Städten ­machen Platanen den Großteil des Baumbestands aus. © iStock/Rob_Ellis
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Wenn eine Hyposensibilisierung nicht funktioniert, hatte man eventuell das falsche Pollenallergen im Visier. Zur weiteren Abklärung sollte auf weniger gängige Auslöser wie Platane oder Esche getestet werden.

Bei Pollenallergie denkt jeder gleich an Frühblüher und Gräser. Doch gibt es weitaus mehr Pflanzen, deren Pollen allergenes Potenzial haben und die die Luft, insbesondere in Großstädten, belasten. Ein Beispiel ist die Platane. Der Baum wurde in den letzten Jahrzehnten dank einer stattlichen Wuchshöhe von bis zu 45 m und seiner Widerstandskraft gegen Trockenheit, Schädlinge und Bodenversiegelung in Deutschland als Allee­baum immer beliebter. Allerdings ist die regionale Verteilung unterschiedlich, berichtete Astrid Schareina, Allergologin aus Köln. In Mannheim machen Platanen heute bereits 80 % des Baumbestands aus, in Köln nur ca. 16 %.

In Südeuropa führen Platanen schon seit Längerem die Liste der relevanten Pollenallergien an. Die Flugsaison dauert dort von März bis Juni. In Deutschland fällt das Maximum der Platanenpollenbelastung meist auf Ende April/Anfang Mai. Je südlicher die Region und je milder die Temperaturen, desto früher blühen die Bäume. Wie bei anderen Pollen auch ist als Folge des Klimawandels damit zu rechnen, dass sich die Dauer der Belastung und die Pollenkonzentration in der Luft immer weiter ausdehnen werden. Für spanische Großstädte konnte dies bereits nachgewiesen werden.

Jeder Zehnte reagierte im Pricktest auf Platane

Daten zur Relevanz der Platanenallergie für Deutschland gibt es bisher kaum. Eine retrospektive Untersuchung aus Köln von Patienten mit saisonalen allergischen Beschwerden ergab, dass rund 10 % im Pricktest positiv auf Platane reagierten. Bei der Hälfte dieser Patienten fand sich spezifisches IgE im Serum. Eine weitere Untersuchung hat das Bundesumweltamt gemeinsam mit der Universität Aachen und der TU München durchgeführt. Wie sich zeigte, war das nordrhein-westfälische Patientenkollektiv im Pricktest zu 11 % für Platane sensibilisiert, das bayerische zu 7 %.

Die diagnostische Abklärung einer Platanenallergie sei nur bei Patienten sinnvoll, die in städtischen Bereichen leben, erläutert Schareina. Da handelsübliche Standard-Kits zur Pricktestung meist keine Platane enthalten, muss man sich die Allergenlösungen einzeln besorgen.

Einen weiteren, gar nicht so selten diagnostizierten Allergieauslöser präsentierte Dr. Stefanie Röseler­, niedergelassene Allergologin aus Köln: die Esche. Natürliche Vorkommen finden sich in Laubmisch- und Auwäldern, aber auch an trockenen Standorten. Zudem sind Eschen beliebt als Park- und Straßenbepflanzung. In Nordrhein-Westfalen machen sie ca. 5 % der Alleenbäume aus. Weiter südlich, in Baden-Württemberg, sind ein Viertel des gesamten Baumbestands Eschen. Die Bäume blühen im März und April. Für sie sind sechs verschiedene Allergenkomponenten bekannt. Pricktestungen auf Esche ergaben: Während an Rhein und Ruhr die Sensibilisierungsrate 29 % betrug, lag sie in Bayern bei nur 19 %.

Kreuzreaktivitäten gibt es mit Pollen von Forsythie, Liguster, Jasmin, Flieder, aber auch Olive. Letztere fristet als typisch mediterrane Kulturpflanze in unseren Breiten nur gelegentlich ein Zierpflanzendasein. Durch Kreuzreaktivitäten ist die Zahl entsprechender Allergiker aber relativ hoch. Interessanterweise beob­achtete man in Bayern eine höhere Kreuzreaktivität zwischen Esche und Olive als weiter nördlich.

Quelle: 16. Deutscher Allergiekongress

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