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Lungenkarzinom Therapieoptionen sind kaum geschlechterspezifisch geprüft

Autor: Manuela Arand

Studien zeigen, dass Raucherinnen weniger über die negativen Gesundheitseffekte ihres Konsums wissen und das Risiko erheblich unterschätzen. Studien zeigen, dass Raucherinnen weniger über die negativen Gesundheitseffekte ihres Konsums wissen und das Risiko erheblich unterschätzen. © iStock/zoranm
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Experten warnen schon länger vor der Welle an Lungenkrebserkrankungen bei Frauen – jetzt ist sie da. Dennoch klaffen weiterhin große Wissenslücken hinsichtlich geschlechtsspezifischer Ursachen, Prävention und Therapie.

Seit Jahren nimmt die Häufigkeit von Bronchialkarzinomen bei Frauen zu, zudem zeigt sich bei ihnen ein steiler Anstieg der lungenkrebsspezifischen Mortalität. Was die Sterbefälle angeht, hat der Lungenkrebs das Mammakarzinom vor Kurzem hinter sich gelassen, berichtete Professor Dr. Isabel Nerin von der Universität Zaragoza. Und natürlich hänge diese Entwicklung mit dem Hauptrisikofaktor Rauchen zusammen.

Frauen unterschätzen ihr Risiko erheblich

Frauen haben in diesem Punkt mit den Männern nahezu gleichgezogen. 85–90 % aller Lungenkrebspatientinnen haben irgendwann Zigaretten geraucht. Studien zeigen, dass Raucherinnen weniger über die negativen Gesundheitseffekte ihres Konsums wissen und das Risiko erheblich unterschätzen.

Auf molekularer und hormoneller Ebene gibt es zudem geschlechtsspezifische Risikofaktoren, die Rauchen (und Passivrauchen) für Frauen besonders gefährlich machen. So stellten US-Forscher schon vor 20 Jahren fest, dass Östrogen maligne Lungentumoren schneller wachsen lässt. Die großen Studien zur postmenopausalen Hormonersatztherapie deuten ebenfalls auf ein erhöhtes Risiko hin.

Auch abseits des Lungenkrebses bestehen Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der Rauchfolgen, erläuterte Professor Dr. Catherine Greene, Royal College of Surgeons Irland in Dublin. So benötigen Frauen weniger Packungsjahre, um eine COPD zu entwickeln. Sie erkranken entsprechend früher und schwerer als Männer und verlieren schneller Lungenfunktion.

Bronchial-Ca galt lange als typischer Männerkrebs

Die Grundlagen dieser Geschlechtsunterschiede sind zumindest teilweise auf genetischer Ebene angelegt. Auf den beiden X-Chromosomen mit jeweils 155 Millionen Basenpaaren sitzen mehr immunassoziierte Gene als irgendwo sonst im Genom. Allein 113 micro-RNA, welche die Proteinsynthese inhibieren können, werden von X-chromosomalen Genen kodiert. Ob und wie diese die Anfälligkeit für Infektionen oder maligne Erkrankungen beeinflussen, bleibt zu klären.

Aber zurück zum Lungenkrebs: Im Vergleich zu Männern werden Bronchialkarzinome bei Frauen in durchschnittlich jüngerem Lebensalter entdeckt. Meist handelt es sich um Adenokarzinome. In Therapiestudien sind Patientinnen unterrepräsentiert, auch weil Bronchialkarzinome lange als typischer Männerkrebs galten. Daher gibt es auch wenig Erkenntnisse darüber, ob Frauen anders auf etablierte Therapien ansprechen, kritisierte Prof. Nerin.

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