Thiazid-Diuretika senken Risiko für Schlaganfall und Infarkt besser als andere Monotherapien

Autor: Dr. Judith Lorenz

Thiazide werden bei neu diagnostizierter Hypertonie zu selten eingesetzt. © redaktion93 – stock.adobe.com

Um frisch diagnostizierte Hypertoniker einzustellen, steht ein ganzes Therapiearsenal zur Verfügung. Wer seinem Patienten kardiovaskulär etwas besonders Gutes tun will, greift in der Monotherapie zu Thiazid- oder thiazidähnlichen Diuretika.

Verschiedene Wirkstoffklassen kommen für die antihypertensive Monotherapie infrage: Thiazid und verwandte Diuretika, ACE-Hemmer, AT-Rezeptorblocker, Kalziumantagonisten sowie – in einigen Fällen – Betablocker.

Da sowohl die US-amerikanischen als auch die europäischen Leitlinien alle diese Substanzen in Abwesenheit von Komorbiditäten als gleichwertig erachten, haben die behandelnden Ärzte bei der Neueinstellung die Qual der Wahl, berichten Professor Dr. Marc A. Suchard vom Department of Biostatistics der Fielding School of Public Health an der University of California in Los Angeles und Kollegen. Das Team analysierte die Behandlungsdaten von nahezu 4,9 Millionen Blutdruckpatienten aus den USA, Südkorea, Deutschland und Japan, die zwischen 1996 und 2018 erstmals auf eine Monotherapie eingestellt worden waren.

Mit 48 % am häufigsten handelte es sich hierbei um einen ACE-Hemmer, gefolgt von Thiaziden und verwandten Substanzen (17 %), Kalziumantagonisten (Dihydropyridine 16 %, Nicht-Dihydropyridine 3 %) und den Sartanen (15 %). Bezüglich der Effektivität erwiesen sich die Wirkstoffgruppen als relativ gleichwertig.

Allerdings schnitten Thiazide/thiazidähnliche Diuretika bezüglich der Primärendpunkte – akuter Myokardinfarkt, Hospitalisation aufgrund von Herzinsuffizienz und Schlaganfall – sowie des Nebenwirkungsprofils besser ab als ACE-Hemmer. Kalziumantagonisten des Nicht-Dihydropyridin-Typs schienen den übrigen Substanzen, was die Outcomes anging, unterlegen.

Thiazide und thiazidähnliche Diu­retika werden in der Monotherapie bei neu diagnostiziertem Bluthochdruck zu selten eingesetzt, kommentieren Dr. Christopher­ W. Ives und Professor Dr. Suzanne Oparil von der University of Alabama in Birmingham. Wer diese Substanzklassen anstelle von ACE-Hemmern verschreibt, könnte möglicherweise zahllose schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse und Nebenwirkungen bei seinen Patienten vermeiden.

Quellen:
Suchard MA et al. Lancet 2019; DOI: 10.1016/S0140-6736(19)32317-7
Ives CW, Oparil S. Lancet 2019; DOI: 10.1016/S0140-6736(19)32461-4