Typ-2-Diabetes: Gesundes Essen muss nicht immer mediterran sein

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Fermentierter Kohl und Sojaprodukte enthalten viele Isoflavone. Die fördern den Zucker- und Fettstoffwechsel in der Leber. © fotolia/Vitaly

HbA1c, Insulinbedarf, Blutdruck, Leberwerte und Cholesterin: Bei Typ-2-­Diabetes lassen sich viele Faktoren durch die richtige Ernährungsform verbessern. Zwei Experten erläutern, was auf den Teller sollte und was eher nicht.

Ein Großteil der Typ-2-Diabetiker leidet an einem metabolischen Syndrom mit Fettleber, Hyperurikämie und Hypertonie, das bei der Ernährung ebenfalls berücksichtigt werden sollte. Einen maßgeblichen Einfluss auf die Insulinfreisetzung haben die Kohlenhydrate. Dabei scheint weniger die Menge als die Art von Bedeutung zu sein. Erfasst wird diese mit zwei Parametern:

  • Der glykämische Index (GI) gibt die blutzuckersteigernde Wirkung an.
  • Die glykämische Last (GL) berücksichtigt neben der Qualität auch die aufgenommene Menge (GI x Menge = GL).

Eine Ernährung mit niedrigem GI reduziert bei Typ-2-Diabetikern neben Körperfettmasse, Nüchtern-Blutzucker und HbA1c auch proinflammatorische Metaboliten wie TNF-a.

Allerdings geht eine Ernährung mit niedrigem GI oft mit einer hohen Ballaststoffaufnahme einher. Diese dürfte also auch für einen Teil der Wirkung verantwortlich sein, schreiben Dr. Swantje­ Brede­ vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, und Professor Dr. Dr. Jan-Hendrik­ Lehnert­ vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, Lübeck. Aufgrund positiver Studiendaten werden ballaststoffreiche Lebensmittel mit niedriger GL und niedrigem GI zur Ernährung bei Typ-2-Diabetes empfohlen.

Low-carb- und Low-fat-Diäten nicht generell zu empfehlen

Zu den Ernährungsformen, die das kardiovaskuläre Risiko von Patienten mit Typ-2-Diabetes nachweislich verbessern, gehört die mediterrane Diät. Auch sie ist ballaststoffreich und hat einen niedrigen glyk­ämischen Index. Als Grundlage der positiven Effekte wird eine Verminderung des oxidativen Stresses diskutiert, der wahrscheinlich eine entscheidende Rolle in der Pathogenese des metabolischen Syndroms spielt. Auch anti­inflammatorische Wirkungen der Lebensmittel­inhaltsstoffe, insbesondere der Polyphenole, wurden nachgewiesen. Das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die Gesamtmortalität werden durch die mediterrane Kost ebenfalls gesenkt. Die Fettleber bessert sich und es kommt seltener zu einer Retinopathie.

Nach wie vor umstritten ist, ob eine fett- oder kohlenhydratarme Diät beim Typ-2-Diabetes Vorteile bietet. Begriffe wie High-carb-low-fat- und Low-carb-high-fat-Diät erlauben keinen Rückschluss auf die Zusammensetzung der Nahrung. In einer Studie waren nach zwei Jahren keine Unterschiede bezüglich Gewichtsreduktion oder HbA1c nachzuweisen, allerdings brauchte die Low-carb-Gruppe weniger Insulin.

Ein radikaler Ansatz ist die ketogene Diät: In einer Studie erhielten Typ-2-Diabetiker eine so stark kohlenhydratreduzierte Ernährung (20–50 g/Tag) mit deutlich erhöhtem Fettverzehr (> 45 % der Energiemenge), dass es zu einer nutritiven Ketose kam. Das Resultat nach einem Jahr waren eine HbA1c-Reduktion um 1,3 % und ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 13,8 kg. Zudem konnten 94 % der Patienten ihre Insulintherapie reduzieren oder beenden.

In einer anderen Studie zur Low-carb-Diät kam es allerdings zu einer erhöhten Mortalität zumindest bei überwiegend tierischer Protein- und Fettzufuhr. Nach Einschätzung der Autoren fehlen noch Langzeitstudien zur Sicherheit, weswegen Low-carb- und Low-fat-Diäten bei Typ-2-Diabetes nicht generell empfohlen werden können. Zu beachten ist auch der erhöhte Proteinanteil der genannten Diäten. Bei kurzfristigen Interventionen konnte zwar bisher kein negativer Einfluss gezeigt werden, aber langfristige Daten stehen auch hier noch aus. Die Deutsche Dia­betes Gesellschaft empfiehlt einen Nahrungsprotein­anteil von 15–21 %.

Ein positiver Einfluss auf den Stoffwechsel bei Typ-2-Diabetes ist neben der mediterranen Kost auch für die vegetarische und die koreanische Diät nachgewiesen. Eine Besonderheit der fernöstlichen Kost ist der hohe Gehalt an fermentierten Lebensmitteln wie vergorenem Kohl oder Sojabohnenpaste. Durch ihren hohen Isoflavongehalt verbessern sie die Metabolisierung von Glukose und Lipiden in der Leber.

Als nicht medikamentöse Therapie der oft begleitenden Hypertonie wird die DASH*-Diät empfohlen. Sie enthält reichlich Ballaststoffe und pflanzliche Proteine und dafür weniger gesättigte Fettsäuren und raffinierte Kohlenhydrate. In einer Metaanalyse konnte eine Reduktion von Blutdruck, Gesamt- und LDL-Cholesterin nachgewiesen werden.

Eine Tasse Kaffee pro Tag senkt das Diabetesrisiko um 6 %

Auch für spezielle Lebensmittel wie den Hafer konnte ein Nutzen belegt werden. Eine Tagesdosis von 100 g zusätzlich zur Low-fat-Diät verstärkt­ den günstigen Effekt auf HbA1c, Gewicht und Lipidstoffwechsel. Seit Jahren haben sich sogenannte „Hafertage“ bei Patienten mit ausgeprägter Insulinresistenz bewährt. Auch Kaffeekonsum scheint sich günstig auf den Glukosestoffwechsel auszuwirken. In einer Meta­analyse senkte der zusätzliche Genuss von einer Tasse täglich das Diabetesrisiko um 6 % – unabhängig vom Koffeingehalt. Ein moderater Konsum von Wein hat keinen Einfluss auf die Einstellung.

* dietary approaches to stop hypertension

Quelle: Brede S, Lehnert JH. Internist 2019; 60: 49-58