Verfügbarkeit der HIV-Prophylaxe hinkt der Nachfrage hinterher

Autor: Dr. Susanne Gallus

Eine halbe Million Patienten will die Arznei nehmen, bekommt sie aber nicht. Eine halbe Million Patienten will die Arznei nehmen, bekommt sie aber nicht. © iStock/nito100

Sie sind ein entscheidender Faktor im Kampf gegen AIDS: Medikamente, die vor einer Ansteckung schützen. Aber die Präparate stehen in der EU nicht immer zur Verfügung.

Mit einem Anteil von über 90 % nehmen in den EU-Ländern insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), die HIV-Prophylaxemedikamente (PrEP). Allerdings schwanken Einnahme, Verfügbarkeit und Nachfrage innerhalb der EU erheblich, schreiben die Wissenschaftler um Rosalie Hayes vom National AIDS Trust in London.

Die aus den diesjährigen Erhebungen errechnete „PrEP-Gap“ – der Begriff bezeichnet die Differenz zwischen Nachfrage und tatsächlicher Einnahme der Medikamente – liegt zwischen 4 % bei Spitzenreiter Portugal und 45 % in Russland.

Konkret bedeuten die Zahlen, dass EU-weit 500 000 Männer die PrEP nehmen würden, die notwendigen Medikamente aber nicht zur Verfügung haben. Da Studien zufolge gerade MSM, die der Prophylaxe offen gegenüberstehen, ein hohes Infektionsrisiko tragen, wird der Bedarf besonders deutlich, schreiben die Autoren.

Keineswegs dürfe man nun aber gefährdete Frauen und Hetero­sexuelle bei der Präexpositions-Prophylaxe aus dem Blick verlieren, heißt es in einer Pressemitteilung des ECDC*. Da der Sex zwischen Männern aber für 38 % der Neu­infektionen verantwortlich ist, bietet sich gerade bei diesen Personen ein guter Ansatz gegen die AIDS-Epidemie.

*European Centre for Disease Prevention and Control

Quelle: Hayes R et al. Euro Surveill 2019; 24: 1900598; doi: doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2019.24.41.1900598