Vermehrte Komplikationen durch perioperative Antibiotikagabe

Autor: Dr. Judith Lorenz

Die Datenlage zeigt: Die perioperative Antibiotikagabe schadet oft mehr, als sie nützt. © iStock/Ridofranz

Die perioperative Antibiotikagabe ist fester Bestandteil vieler chirurgischer Eingriffe. Geht die Prophylaxe über 24 Stunden hinaus, steigt allerdings das Risiko für schwere Nebenwirkungen an, ohne dass die Infektionsrate weiter sinkt.

Angesichts der Vielfalt potenzieller Nebenwirkungen stellt sich die Frage, ab wann die perioperative Antibiotikaprophylaxe für einen Patienten zur Gefahr wird. Um dies zu klären, wertete Dr. Westyn Branch-Elliman vom Department of Medicine am VA Boston Healthcare System gemeinsam mit Kollegen die Daten von mehr als 79 000 US-Veteranen aus. Diese hatten im Rahmen eines totalen Gelenkersatzes bzw. eines herz-, gefäß- oder darmchirurgischen Eingriffs vorsorglich Antibiotika erhalten.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich das Risiko für Infektionen im Operationsgebiet nicht weiter verringerte, wenn die Prophylaxe über 24 Stunden hinaus ausgedehnt wurde. Zahlreiche Variablen wie Art des Eingriffs, Alter, Geschlecht, Diabetes und Rauchen hatten sie bei ihrer Analyse berücksichtigt.

Die Gefahr schwerer Nebenwirkungen nahm dagegen im Zeitverlauf zu. So stieg das Risiko für einen akuten Nierenschaden nach mehr als 48-stündiger Antibiotikaprophylaxe um 22 %, nach mehr als 72-stündiger um 82 %. Im Hinblick auf Clostridium-difficile-Infektionen stellten die Forscher nach 48 Stunden eine Risikozunahme um mehr als das Doppelte fest.

Vancomycin ist besonders nierenschädigend

Unterschiede zeigten sich im Risikoprofil der eingesetzten Antibiotikaregimes. Insbesondere Vancomycin wirkte sich ungünstig auf die Nierenfunk­tion aus.

„Jeder Tag und jede Dosis zählt“, schließen die Wissenschaftler und plädieren angesichts der Gefahr vermeidbarer Nebenwirkungen für einen umsichtigen und zeitlich begrenzten Einsatz der perioperativen Antibiotikaprophylaxe.

Quelle: Branch-Elliman W et al. JAMA Surg 2019; 154: 590-598