Virale Arthritis sieht aus wie Rheuma, dauert aber nur Tage bis Wochen

Autor: Dr. Andrea Wülker

Ähnlich wie die rheumato­ide Arthritis macht sich das virale Pendant unter anderem durch schmerzen in den Handgelenken bemerkbar. © iStock.com/michellegibson

Viele Virusinfektionen können Gelenkschmerzen und -schwellungen auslösen. Klinisch ähnelt das manchmal einer rheumato­iden Arthritis. Oft reicht eine symptomatische Behandlung mit einem nicht-steroidalen Antirheumatikum. Die Prognose ist meist gut.

Meist ist die Arthritis bei akuten Virusinfektionen nicht der Haupt-, sondern ein Begleitbefund, schreiben Professor Dr. Parham Sendi vom Universitätsspital Basel und Kollegen. Eine Reihe von Viren wird typischerweise mit einer Arthritis oder einer Arthralgie in Verbindung gebracht (s. Kasten), darunter auch etliche exotische Vertreter. Grundsätzlich können aber fast alle Viren auch eine Gelenkentzündung hervorrufen.

Diese Erreger sollten Sie im Blick haben

Virale Erreger, die typischerweise mit Arthralgien und Arthritis assoziiert sind:

  • Ringelröteln (Parvovirus B19)
  • Röteln (Rubella-Virus)
  • Hepatitis B
  • Hepatitis C
  • HIV

Diese Liste ist nicht abschließend.

Am häufigsten trifft‘s kleine und mittelgroße Handgelenke

Die Pathogenese der viralen Arthritis ist erst teilweise verstanden. Am häufigsten beschrieben werden folgende Pathomechanismen:

  • direkte Virusinvasion ins Gelenk
  • eine Ablagerung von Immun­komplexen

Als weiterer Mechanismus wird eine aktivierte Entzündungsreaktion oder eine Immundysregulation postuliert, die durch Virusantigene getriggert werden kann. Diese Vorgänge schließen sich gegenseitig nicht aus, sie können auch parallel oder nacheinander ablaufen.

In der Diagnostik spielen die medizinische Vorgeschichte inklusive Sexual- und Reiseanamnese (s. Kasten) und klinische Befunde eine wichtige Rolle. Bei vielen Virusinfektionen tritt ein Hautausschlag, manchmal auch Fieber auf. Die meisten viralen Arthritiden machen sich als Oligo- oder Polyarthritis bemerkbar, wobei mittelgroße und kleine Gelenke der Hand bei Erwachsenen am häufigsten betroffen sind. Bei der klinischen Untersuchung muss sorgfältig zwischen Tendinopathien, Muskelschmerzen und Arthralgien unterschieden und auf Arthritis-Befunde wie Rötung, Schwellung, Druckdolenz und Steifigkeit geachtet werden, betonen die Schweizer Kollegen. Dennoch gelingt nicht immer eine sichere Differenzierung zwischen Arthritis und Arthralgie. Liegt eine Synovialitis vor, kann diese sonographisch nachgewiesen werden. Bei Verdacht auf virale Arthritis ist eine Gelenkpunktion meist nicht notwendig.

An die Reiseanamnese denken

Zahlreiche Viren, die in unseren Breiten nicht endemisch vorkommen, können Gelenkentzündungen auslösen. Fragen Sie Patienten mit akuten Gelenkschmerzen und -schwellungen daher immer auch nach vorausgegangenen Auslandsaufenthalten und Fernreisen. Folgende „exotische“ Viren sind mit Arthralgien und Arthritis assoziiert:

  • Chikungunya-Virus (Afrika, Asien, Mittel-/Lateinamerika, Naher Osten)
  • Dengue-Virus (Asien, Mittel-/Lateinamerika, Karibik, Afrika, vereinzelt auch in Europa)
  • Zika-Virus (Süd- und Mittelamerika, Karibik, Asien, Afrika)
  • Ross-River-Virus, RRV (Australien, Papua-Neuguinea, Fidschi-Inseln)
  • Barmah-Forest-Virus (Australien)
  • Sindbis-Virus (Vorkommen: Europa, Afrika, Asien, Australien)
  • O’nyong-nyong-Virus (Uganda, Kenia, Tansania, Malawi, Mosambik, Kongo, Kamerun, Senegal)
  • Mayaro-Virus (nördliche Hälfte Südamerikas, Karibik)

Das klinische Erscheinungsbild einer viralen Arthritis erinnert häufig an eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Allerdings ist es nicht sinnvoll, in der Akutphase Rheumafaktoren oder Autoanti­körper im Serum zu bestimmen, weil diese Parameter im Rahmen der Immunstimulation oft vorübergehend erhöht sind und dann eher auf eine falsche Fährte führen. Ein wichtiges Unterscheidungskriterium zwischen viraler Arthritis und entzündlich-rheumatischen Krankheiten ist die Krankheitsdauer: Im Gegensatz zu einer rheumatoiden Arthritis zieht sich eine virale Gelenkentzündung meist nur über Tage bis Wochen hin.

Ein generelles Antikörper-Screening aller infrage kommenden Viren ohne konkrete Verdachtsdiagnose wird nicht empfohlen. Ergibt sich aus Anamnese und klinischer Untersuchung ein entsprechender Verdacht, ist eine serologische Untersuchung als erster diagnostischer Schritt aber hilfreich.

Gelenkspülung nur in Ausnahmefällen

Bei behandelbaren Viruserkrankungen, z.B. bei Hepatitis-B-, Hepatitis-C- oder HIV-Infektionen, muss eine antivirale Therapie mit dem Hepatologen oder Infektiologen diskutiert werden. Bei vielen viralen Erkrankungen wird jedoch symptomatisch behandelt, etwa mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Die Prognose ist in der Regel gut. Anders als die bakterielle Arthritis führt die virale Arthritis nur selten zu einer Gelenkdestruktion. Daher ist nur in Ausnahmefällen eine Gelenkspülung erforderlich.

Quelle: Sendi P et al. Swiss Medical Forum 2018; 18: 673-680