Vor der Kreuzfahrt Beschwerden abklären

Autor: Maria Weiß

„Traumschiff“ gebucht? Dann die Reiseversicherung nicht vergessen. © iStock/Rawpixel

Kreuzfahrten liegen im Trend – und damit auch die Notwendigkeit reisemedizinischer Beratung vor der großen Seereise. Dabei sollte man die Möglichkeiten in den Bordhospitälern nicht überschätzen.

Manche Hausärzte neigen dazu, auch ihren älteren und chronisch kranken Patienten bei einer geplanten Kreuzfahrt allzu unbedacht zuzuraten, sagte Dr. Frank Heblich, wissenschaftlicher Leiter der Schiffsarztlehrgang GbR in Kiel. Eine solche Schiffsreise sei ja eher wie ein Hotelaufenthalt und nicht weiter anstrengend. Und im Notfall könne einem im Bordhospital jederzeit geholfen werden, so die Vorstellung.

Zuerst sollte man sich erkundigen, um was für ein Schiff es sich überhaupt handelt. Zwar muss jedes Handels- und damit auch Kreuzfahrtschiff nach internationalem Seearbeitsrecht über ein Bordhospital verfügen. Die Ausstattung kann aber sehr unterschiedlich ausfallen und bei kleineren Anlagen auch nur aus einer Notfallapotheke und einem 2. Nautischen Offizier mit einem 40-stündigen Erste-Hilfe-Lehrgang bestehen. Hier sollten sich die Reisenden vor der Fahrt bei der Reederei erkundigen. Große Kreuzfahrtschiffe mit mehreren tausend Gästen haben in der Regel Bordhospitäler, die von mindestens zwei Ärzten und zwei Krankenpflegern betreut werden. Doch auch hier müsse man die diagnostischen und medizinischen Möglichkeiten realistisch einschätzen, betonte der Schiffsarzt.

Senior mit anhaltendem Husten starb an Bord

Auch Fahrten in hotelähnlichen großen Schiffen stellen durchaus eine Belastung für den Körper dar. Die meist lange Anreise mit dem Flugzeug, Schiffsbewegungen, ungewohnte Ernährung und die durch Klimaanlagen sehr trockene Luft können gerade älteren und chronisch kranken Patienten zu schaffen machen.

Neben dem Impfstatus sollten auch Vorerkrankungen im Vorfeld abgeklärt werden, damit man an Bord keine bösen Überraschungen erlebt. Als Beispiele schilderte Dr. Heblich die Fälle von zwei älteren Patienten, die bereits vor Reiseantritt mehrere Wochen unter anhaltendem Husten gelitten hatten. Trotz der Beschwerden hielten die Hausärzte die Reiselustigen nicht von der Kreuzschifffahrt ab. Bei dem einen Patienten mit einem malignen Melanom in der Vorgeschichte entpuppte sich der Husten als Symptom einer Pleuritis carcinomatosa mit Pleura­erguss, der nach Ableitung von zwei Litern sofort nachlief und eine Ausschiffung erforderlich machte. Bei dem anderen, einem 77-Jährigen, entwickelte sich aus dem Husten an Bord eine massive Dyspnoe. Er starb trotz Reanimation an einer dekompensierten Herzinsuffizienz. Viele hätten die Vorstellung, dass man im Notfall immer noch einen Rettungshubschrauber rufen könne.

Rettungshubschrauber meist keine Option

Das sei aber in den meisten Fällen aufgrund der Entfernungen, ungüns­tiger Wetterverhältnisse oder auch unzureichender medizinischer Versorgung in den jeweiligen Ländern gar nicht möglich, so die Erfahrung des Schiffsarztes.

Grundsätzlich sollte man die Patienten darauf hinweisen, dass die Krankenkassen die Kosten der medizinischen Versorgung an Bord meist nicht übernehmen. Bei drei Tagen Beatmung im Intensivbett kämen da schnell über 20 000 Euro zusammen, auf denen der Patient unter Umständen sitzenbleibt. Eine entsprechende Reiseversicherung mit Rückholoption sei daher für die älteren Patienten ein Muss.

Quelle: 20. Forum Reisen und Gesundheit