Vorsicht bei depressiven COPD-Patienten

Autor: Dr. Susanne Gallus

Depressionen und Angstzustände treten bei 70 % der COPD-Patienten auf. © fotolia/New Africa

Erhält ein Patient mit COPD ein serotonerges Antidepressivum, landet er wegen pulmonaler Beschwerden häufiger in der Klinik oder in der Notaufnahme. Sein Sterbe­risiko steigt um 20 %

Kanadische Kollegen werteten für ihre retrospektive Kohortenstudie Gesundheitsdaten von knapp 132 000 COPD-Kranken ab 66 Jahren aus.1 28 360 von ihnen waren neu auf einen selektiven Serotonin- (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wieder­aufnahmehemmer (SNRI) eingestellt worden. Ihr Outcome wurde mit dem von ebenso vielen COPD-Patienten ohne SSRI- bzw. SNRI-Therapie verglichen.

Die Einstellung auf ein serotonerges Antidepressivum ging mit einer um 20 % erhöhten Gesamtmortalität einher. Das Risiko, an der COPD oder einer Pneumonie zu sterben, stieg um 26 %, die Wahrscheinlichkeit, wegen dieser beiden Krankheiten stationär oder in der Notaufnahme behandelt zu werden, um 15 % bzw. 13 %.

SSRI und SNRI können zu Schläfrigkeit führen, Erbrechen verursachen sowie das Immunsystem negativ beeinflussen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für Infektionen, Atemprobleme und andere respiratorische Beeinträchtigungen, besonders bei Patienten mit COPD, so Dr. Nicholas T. Vozoris vom St. Michael’s Hospital in Toronto.2

Die meisten COPDler sind ängstlich oder betrübt

Mehr als 70 % der COPD-Kranken leiden unter Niedergeschlagenheit oder Angstsymptomen, gibt der Kollege zu bedenken. Entscheide man sich, ihnen ein serotonerges Antidepressivum zu verschreiben, solle man die Patienten wegen der potenziellen Nebenwirkungen gut im Auge behalten.

1. Vozoris NT et al. Eur Respir J 2018; online first
2. Pressemitteilung des St. Michael’s Hospital