Vorteile beschichteter Stents gegenüber Metallstents nur im ersten Jahr vorhanden

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Beschichtet oder nicht beschichtet – das ist hier die Frage. © rlopes528 – stock.adobe.com

Die Stentimplantation erspart vielen KHK-Patienten eine OP. Seit Jahren streiten sich allerdings die Experten, ob es das einfache Metallimplantat tut oder ob ein neuerer, Medikamente-freisetzender Stent sinnvoller ist.

Biologisch gesehen klingt es plausibel: Ein Stent, der kontinuierlich eine Substanz freisetzt, die seine „Zuwucherung“ durch die neu gebildete Intima verhindert, sollte länger durchgängig bleiben. In der Praxis scheint das aber nicht so einfach, wie aus neueren Studien mit mehr und mehr gegensätzlichen Ergebnissen hervorgeht. Klarheit schaffen wollte nun ein Team um Dr. Raffaele­ Piccolo­ vom Dipartimento di Scienze Biomediche Avanzate der Universität Neapel mit einer Metaanalyse.

Weniger Infarkte und Stentthrombosen

Die Wissenschaftler schlossen 20 randomisierte Studien mit Daten von insgesamt 26 616 KHK-Patienten in ihre Untersuchung ein. Darin hatten die Kranken entweder einen Medikamente-freisetzenden Stent (drug-eluting stent, DES) der neuesten Generation erhalten oder ein reines Metallimplantat.

Bei einer Nachbeobachtungszeit von etwas mehr als drei Jahren stellten die Wissenschaftler fest, dass das Risiko für Myokardinfarkt oder kardiovaskulären Tod bei Patienten mit DES im Schnitt um 16 % niedriger lag als bei den Metallstentträgern. Der Effekt kam laut den Kollegen v.a. deshalb zustande, weil Betroffene mit DES weniger Herzinfarkten erlitten hatten (Hazard Ratio, HR 0,79).

Auch kardiovaskulär bedingte Todesfälle traten in der Gruppe mit dem neuen Stent seltener auf. Jedoch verstarben in beiden Armen insgesamt etwa gleich viele Personen, sodass der Unterschied statistisch nicht-signifikant wurde. Zudem war der DES im Vergleich mit einem reduzierten Risiko für Stentthrombosen (HR 0,63) und Revaskularisationseingriffe (HR 0,55) assoziiert.

Dauer der dualen Plättchenhemmung unklar

In einem zweiten Schritt analysierten die Forscher die zeitlichen Trends nach Stentplatzierung. Dabei zeigte sich, dass der DES seine Vorteile besonders in den ersten 365 Tagen ausspielte. Später näherten sich die Raten der Endpunkt­ereignisse beider Gruppen einander an. Auf Grundlage der Ergebnisse sprechen sich die Kardiologen Dr. Lisette O. Jensen vom Universitätsklinikum Odense und Dr. Evald H. Christiansen­ vom Universitätsklinikum Aarhus für weitere Studien aus. Man solle u.a. untersuchen, wie lange nach einem DES die duale Plättchenhemmung tatsächlich notwendig ist. In der Metaanalyse nahmen die DES-Patienten fast zwei Monate länger zwei Medikamente ein. 

1. Piccolo R et al. Lancet 2019; online first
2. Jensen LO, Christiansen EH. A.a.O.