Was können Probiotika bei chronischen Atemwegserkrankungen leisten?

Autor: Dr. Andrea Wülker

Laktobazillen sind nicht nur gut für den Magen-Darm-Trakt, sondern auch für die Lungengesundheit. © iStock.com/Dr_Microbe

Veränderungen der Mikrobiota gibt es nicht nur bei Magen-Darm-Krankheiten. Auch chronische Lungenleiden gehen mit Dysbalancen der Flora einher. Möglicherweise könnten Probiotika die Therapie unterstützen.

Ein intaktes Mikrobiom fördert bekanntermaßen die Gesundheit. Es schaltet schädliche Keime aus, stärkt die Funktion der Epithelbarriere und moduliert die lokale und systemische Immunantwort. Umgekehrt kann ein Ungleichgewicht der mikrobiellen Zusammensetzung viele ungünstige Folgen haben. Bei verschiedenen chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Asthma, M. Crohn und Colitis ulcerosa ließ sich bereits eine solche Dysbiose nachweisen, schreiben Katleen Martens von der Abteilung für Mikrobiologie und Immunologie der Katholischen Universität Leuven/Belgien und Kollegen. Zugleich liegt bei diesen Erkrankungen eine Störung von Permeabilität und Epithelbarriere vor – ob die Dysbiose Ursache oder Folge dieser Störung ist, bleibt jedoch unklar.

Was die Atemwege anbelangt, wirken verschiedene Mikroorganismen wie Staph. aureus, Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae pathogen, indem sie z.B. die Durchlässigkeit der Epithelbarriere in den Atemwegen erhöhen. Andere Keime wiederum wie Lactobacillus- und Bifidobakterium-Stämme fördern die Gesundheit, daher der Name „Probiotika“. Ihre günstigen Effekte hängen von verschiedenen Parametern ab, insbesondere von der Behandlungsdauer, vom Applikationsweg und vom verabreichten Bakterienstamm. Derzeit laufen viele klinische Untersuchungen zu ihrem Einfluss auf die Atemwege.

So wirken Probiotika

  • Probiotische Bakterien verbessern die Funktion der Epithelbarriere über eine Modulation der interzellulären Verbindungen oder über eine Interaktion mit verschiedenen Rezeptoren auf der Epithelbarriere.
  • Die Mikroorganismen beeinflussen auch lokale und systemische Immun­antworten. Sie interagieren mit dendritischen Zellen zwischen den Epithelzellen oder in der Submukosa, was zur Aktivierung von regulatorischen T-Zellen führen kann.
  • Zudem modulieren Probiotika die Th1- und Th2-Antwort und fördern so die Wiederherstellung des Immungleichgewichts.

Gute Keime im Nasenspray wären womöglich effektiver

In den meisten Studien werden die Probiotika oral in Form von Kapseln oder als Supplemente in Milchprodukten verabreicht; dann agieren sie vor allem über eine Modulation des Immunsystems. Die Autoren sind jedoch der Ansicht, dass eine lokale Anwendung (z.B. als Nasenspray) sowohl in den oberen als auch unteren Atemwegen zu spezifischeren Effekten und zu einer erfolgreicheren Behandlung führt. Darauf deuten tierexperimentelle Studien hin.

Zum Einsatz von Probiotika bei allergischer Rhinitis (AR) liegt eine Reihe von randomisierten, placebokontrollierten Studien vor. Diese zeigen zwar, dass die Mikroorganismen nasale Symptome (Rhinorrhö, verstopfte Nase, Juckreiz) und die Lebensqualität bessern können, aber es fand sich bisher keine starke Evidenz für eine fundierte präventive oder therapeutische Rolle der Zubereitungen. Allerdings wurde die nasale Applikation von Pro­biotika bei Heuschnupfen noch nicht geprüft – was einen Versuch wert sein könnte, denn im Tierversuch modulierten sie auf diesem Wege die Inflammation in den unteren Atemwegen.

Zur chronischen Rhinosinusitis (CRS) existieren weniger Untersuchungen als zur AR. Fest steht aber, dass die Patienten in den Nasennebenhöhlen eine reduzierte Diversität von Bakterien aufweisen, wobei vor allem förderliche Laktobazillen fehlen. Derzeit gibt es erst eine placebokontrollierte Studie, in der CRS-Patienten zwei Wochen lang ein Nasenspray mit Lactobacillus- und Bifidobakterium-Spezies erhielten. Sie vertrugen das Spray gut, aber es kam zu keiner signifikanten Symptomlinderung – was möglicherweise an der Auswahl der verabreichten Bakterienstämme lag.

Exspiratorische Leistung und Asthma-Score verbessert

Einige Untersuchungen mit Asthmatikern zeigten vielversprechende Ergebnisse. So ergab eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit mild bis moderat betroffenen, atopischen Kindern, dass Lactobacillus gasseri den Asthma-Symptomscore und die Peak-Flow-Werte besserte und proinflammatorische Zytokine im Blut der Patienten abnahmen.

Eine weitere Studie zeigte eine Besserung der Lungenfunktion und eine Reduktion an Asthmaexazerbationen, wenn die Kinder über zwölf Wochen mit Lactobacillus-Stämmen und Bifidobacterium bifidum behandelt wurden. Bis sich sicher sagen lässt, ob eine nasale und/oder orale Behandlung der Atemwege mit Probiotika effizient genug ist, um das Lungenmikrobiom zu modulieren, dürfte noch einige Forschung notwendig sein, so das Fazit der Autoren.

Quelle: Martens K et al. Allergy 2018; online first