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Was macht COPD-Patienten so müde? – Hintergründe zur Fatigue

Autor: Dr. Anne Benckendorff

Zur Fatigue gibt es zwar viele Studien, aber kaum eindeutige Erkenntnisse. (Agenturfoto) Zur Fatigue gibt es zwar viele Studien, aber kaum eindeutige Erkenntnisse. (Agenturfoto) © iStock/morgan23
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COPD-Patienten leiden vermehrt an Fatigue, das steht fest. Worauf das beruht, weiß man aber nicht so genau. Europäische Forscher haben dazu jetzt eine Fülle von Studien durchforstet.

In der Liste der Beschwerden von Patienten mit COPD steht nach der Dyspnoe die Fatigue auf Platz Nummer 2. Trotzdem wird sie häufig nicht erkannt und nicht behandelt. Das ist ein großes Problem, weil sie unabhängig von der Obstruktion schlimmer werden und zu starken Einschränkungen sowie einer schlechteren Prognose führen kann.

In einem systematischen Literaturreview haben Zjala Ebadi vom Department of Medical Psychology am Radboud University Medical Center in Nimwegen und Kollegen nun versucht, die Faktoren zu identifizieren, die zur Fatigue bei COPD beitragen können.

Das Unterfangen gestaltete sich schwierig, obwohl die Forscher insgesamt knapp 200 Veröffentlichungen einschließen konnten. Denn die Methoden der einzelnen Untersuchungen unterschieden sich deutlich und vielfach wurden keine standardisierten Instrumente oder Cut-offs verwendet. Das zeigte sich bereits an der Prävalenz der chronischen Müdigkeit, die überhaupt nur in 23 Studien erfasst wurde. Darin schwankte sie zwischen 17 und 95 %. Immerhin kam man in der Mehrheit der Studien zu dem Ergebnis, dass COPD-Patienten häufiger darunter leiden als Kontrollpersonen.

Assoziation zu Depression, Muskelkraft und Dyspnoe

Vergleichsweise eindeutig waren die Schlüsse, die sich hinsichtlich Dyspnoe, Depression, Angst, Lebensqualität und periphere Muskelkraft ziehen ließen: Hier konnte man insgesamt eine moderate bis starke Assoziation mit einer Fatigue beobachten. Dagegen hatten Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status, Grad der Obstruktion, körperliche Leistungsfähigkeit und Körperzusammensetzung wenig Einfluss, wobei es teilweise widersprüchliche Ergebnisse gab. Überwiegende Übereinstimmung herrschte darüber, dass – anders als vielfach vermutet – die Fatigue keine direkte Folge der Obstruktion ist. Die Autoren schränken ein, dass keine Beurteilung der Qualität der einzelnen eingeschlossenen Studien stattgefunden hat. Zudem war aufgrund der sehr unterschiedlichen Ansätze keine Metaanalyse möglich. 

Quelle: Ebadi Z et al. Eur Respir Rev 2021; 30: 200298; DOI: 10.1183/16000617.0298-2020

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