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Übergewicht Wer schläft, kann nicht essen

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Eine verlängerte Schlafdauer kann bei Übergewichtigen die Energiezufuhr senken. Eine verlängerte Schlafdauer kann bei Übergewichtigen die Energiezufuhr senken. © iStock/Lacheev
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Abnehmen im Schlaf klingt verlockend. Es kann aber durchaus funktionieren, wenn man ungünstige Schlafgewohnheiten langfristig ändert. Im konkreten Fall bedeutet dies nicht einmal weniger zu schlafen.

Dass grundsätzlich kürzere Nachtschlafzeiten als Risikofaktor für Übergewicht gelten, ist schon länger bekannt. Aber wie sieht es mit der umgekehrten Aussage aus – lässt mehr Schlaf die Pfunde purzeln? Das haben nun Dr. Esra Tasali von der Abteilung für Innere Medizin der Universitätsklinik Chicago und ihre Kollegen untersucht.

Sie nahmen insgesamt 80 mäßig Übergewichtige (BMI im Schnitt 28 kg/m2), die gewohnheitsmäßig weniger als sechseinhalb Stunden pro Nacht schliefen, in eine randomisierte Studie auf. In den ersten zwei Wochen behielten die Teilnehmer ihre nächtliche Routine bei. Danach erhielt die eine Hälfte von ihnen nach dem Zufallsprinzip eine individuelle schlafmedizinische Beratung, bei der nicht nur die Bedeutung von ausreichendem Schlaf für die Gesundheit betont, sondern auch persönliche Faktoren berücksichtigt wurden. Am Ende der Beratung erhielten sie Tipps, wie sie ihre Schlafdauer auf achteinhalb Stunden verlängern konnten. Die übrigen 40 Probanden wurden nicht speziell beraten. Ihre einzige Aufgabe war es, die täglichen Gewohnheiten einschließlich körperlicher Aktivitäten wie üblich fortzusetzen – wie in der Interventionsgruppe auch –, aber ohne die Schlafdauer zu verändern. Auf zusätzliche Diäten bzw. physische Aktivität sollten die Teilnehmer verzichten.

Es folgte eine vierwöchige Interventionsphase, in der die Probanden entweder knapp achteinhalb Stunden (Interventionsgruppe) oder sechseinhalb Stunden (Kontrolle) schliefen. Alle Teilnehmer trugen während dieser Zeit ein Aktometer am Arm, auf dem sie jeweils einen Knopf drückten, wenn sie zu Bett gingen und wenn sie aufstanden. Außerdem erfassten Dr. Tasali und ihr Team alle zwei Wochen den Gesamtenergieverbrauch und die Körperzusammensetzung. Zusätzlich wogen sich die Teilnehmer jeden Morgen, wobei das Gewicht direkt an das Studienzentrum weitergeleitet wurde, ohne dass die Betroffenen selbst den Zahlenwert sahen. Anhand dieser Daten berechnete das Team die tägliche Energiezufuhr.

Im Schnitt zwei Schnittchen weniger gegessen

Die Auswertung nach vier Wochen zeigte, dass die „Langschläfer“ insgesamt pro Tag 270 kcal weniger aufgenommen hatten als die Kontrollen, deren Kalorienaufnahme sogar gestiegen war. Pro Stunde zusätzlichem Schlaf betrug der Unterschied 162 kcal. In der Folge waren die Probanden der Interventionsgruppe um fast ein Kilogramm leichter als die Kontrollen (-0,87 kg).

Wenn diese Schlafverlängerung bei den Teilnehmern zur Gewohnheit würde, könnten sie, hochgerechet auf drei Jahre, etwa 12 kg abnehmen, betonen die Wissenschaftler. Allerdings bleibt die Frage, inwieweit sich eingefahrene Verhaltensmuster über eine solche Kurzzeitintervention ändern lassen. 

Quelle: Tasali E et al. JAMA Intern Med 2022; DOI: 10.1001/jamainternmed.2021.8098

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