Wie effektiv ist isometrisches Training bei Tendinopathien?

Autor: Dr. Angelika Bischoff

In keiner der Variablen zeigte sich das isometrische Training als nennenswert überlegen gegenüber anderen Optionen. In keiner der Variablen zeigte sich das isometrische Training als nennenswert überlegen gegenüber anderen Optionen. © iStock/Panuwat Dangsungnoen
Anzeige

Bisher schien das isometrische Training das Nonplusultra zu sein, um eine Tendinopathie schnell und effektiv zu bessern. Einer aktuellen Metaanalyse zufolge ist das aber nicht ganz richtig.

Spezielle Trainingsprogramme gelten als Therapie der Wahl bei Tendinopathien. Vor allem isometrische Übungen gerieten nach einer Studie aus dem Jahr 2015 in den Fokus von Forschung und Praxis. Isometrisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Muskeln angespannt, aber nicht bewegt werden, die Muskel-Sehnen-Einheit also in konstanter Länge bleibt. Lediglich eine Sitzung brauchte es in dieser Studie, um bei den teilnehmenden Volleyballern mit Patellasehnen-Tendopathie eine signifikante Schmerzreduktion herbeizuführen. Verglichen wurde damals mit isotonischen Übungen, sprich Übungen, bei denen sich die Länge unter konstanter Muskelspannung ändert.

Vielen hilft gar keine der üblichen Therapien

Trotz dieser beeindruckenden Befunde fielen die Ergebnisse zum isometrischen Training seither gemischt aus. Eine konsequente Überlegenheit gegenüber anderen Programmen zeigte sich nicht. Zudem profitieren etwa 35–45 % der Behandelten von keiner der üblichen Behandlungen. Trotzdem steht das isometrische Training bei vielen Rehaprogrammen vor allem zu Beginn auf der Tagesordnung. Zu Recht?

Diese Frage wollten Wissenschaftler um Dr. phil. Christopher Clifford vom Department of Physiotherapy, NHS Greater Glasgow and Clyde, beantworten. Für ein systematisches Review identifizierten sie zehn Studien mit insgesamt 294 Teilnehmern, die an unterschiedlichen Tendopathien litten, etwa der Rotatorenmanschette, des lateralen Ellbogens, der Achilles-, Patella- und Glutealsehne. In den Analysen traten verschiedene Übungsprogramme, einzelne und gemischte, aber auch konservative Behandlungen wie Eisauflagen und Abwarten gegeneinander an. Primäres Augenmerk der Forscher lag auf der Schmerzreduktion unmittelbar nach einer Sitzung (ca. 45 min) sowie nach maximal zwölf Wochen.

Zum Teil nicht besser als eine Eisanwendung

Zu den sekundären Endpunkten gehörten Funktionseinschränkung, Bewegungsumfang, Muskelkraft und Lebensqualität der Teilnehmer. In keiner der Variablen zeigte sich das isometrische Training als nennenswert überlegen gegenüber einem isotonischen Training, kombinierten Programmen, alternativen Ansätzen oder keiner Therapie – weder direkt nach der Behandlung noch im Kurzzeitverlauf. Bei einer akuten Tendinopathie der Rotatorenmanschette brachten die isometrischen Übungen in den ersten drei Monaten nach der Behandlung sogar nicht einmal mehr als Eisanwendung.

Dies bedeute jedoch nicht, dass isometrisches Training überhaupt keinen Benefit hinsichtlich tendopathiebedingter Schmerzen hat, schließen die Autoren. Auch können damit funktionelle Verbesserungen bei den Betroffenen erzielt werden, weshalb die Übungen durchaus in Rehaprogramme integriert werden sollten.

Quelle: Clifford C et al. BMJ Open Sp Ex Med 2020; 6: e000760; DOI: 10.1136/bmjsem-2020-000760