Wo den Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung platzieren?

Autor: Dr. Dorothea Ranft

FGM-Systeme werden standardmäßig am Oberarm angebracht. Doch die Patienten experimentieren auch mit anderen Körperstellen. © Morozov Alexey – stock.adobe.com

Die kontinuierliche Glukosemessung mit und ohne Kalibrierung wird immer öfter genutzt. Eine wichtige Frage dabei ist, wo der Sensor platziert werden darf. Eine andere, ob Übergewicht die Blutzuckerwerte verfälscht.

Beim Flash-Glucose-Monitoring (FGM) wird der Blutzucker in der Zwischenzellflüssigkeit gemessen, nicht im Blut. Das erste System dieser Art auf dem Markt ist ausschließlich für den Einsatz am Oberarm zugelassen, so Professor Dr. Manfred Dreyer, Diabetologe in Hamburg. Aber im Internet tauschen sich Patienten bereits munter über ihre Erfahrungen mit anderen Messorten aus.

Eine belgische Studie prüfte nun mögliche Risiken dieser Experimentierfreude. Dafür durften 23 Typ-1-Diabetiker zwei Wochen lang gleich drei FGM-Sensoren tragen: je einen an Oberarm, Bauch und Oberschenkel. Bestimmt wurden die mittleren Abweichungen der so ermittelten Daten von den Werten aus kapillären Messungen.

Oberarm und Oberschenkel erzielten mit 11,8 % bzw. 12,3 % Unterschied fast gleich gute Ergebnisse, während sich der Bauch mit 18,5 % deutlich davon unterschied. Das bisherige FGM-System darf also nicht am Abdomen getragen werden. Eine Platzierung des Sensors am Oberschenkel wäre auch möglich – vorausgesetzt, er wird sorgsam fixiert.

Sind diese Erkenntnisse aus der FGM-Studie auf das „blutige“ kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM) übertragbar? Zu Studienzwecken trugen 88 Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes eine Woche lang drei Sensoren, zwei am Bauch und einen am Arm. Kontrolliert wurden die Abweichungen zu kapillären Messungen mit Laborstandard. Der Mittelwert der Diskrepanz betrug 9,6 % bzw. 9,4 % am Bauch und 8,7 % am Arm. CGM-Sensoren, die kalibriert werden müssen, dürfen also beruhigt am Bauch getragen werden.

Ein weiteres Problem für das FGM könnte sich aus dem Körpergewicht ergeben. Eine Studie, die Prof. Dreyer vorstellte, prüfte bei acht gesunden Männern die interstitielle Glukosekonzentration nach oralem Glukosetoleranztest und verglich sie mit der Plasmakonzentration.

Unterschiede im Interstitium und Plasma von Adipösen

Das Ergebnis überraschte: Bei den schlanken Probanden zeigte sich eine gute Korrelation zwischen den Werten in Plasma und Interstitium. Bei den adipösen Teilnehmern fanden sich dagegen im Fastenzustand und nach Glukosebelastung erhebliche Abweichungen mit niedrigen Werten im interzellulären Raum. Als Konsequenz forderte der Referent, beim Flash-Glucose-Monitoring den Einfluss des BMI auf die Messgenauigkeit zu überprüfen.

Quelle: 14. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)-Diabetologie-Update-Seminar