Zöliakie geht oft mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa einher

Autor: Dr. Judith Lorenz

Wissenschaftler regen an, Zöliakiepatienten auch auf chronisch-entzündliche Darm­erkrankungen zu untersuchen und umgekehrt. Wissenschaftler regen an, Zöliakiepatienten auch auf chronisch-entzündliche Darm­erkrankungen zu untersuchen und umgekehrt. © iStock/elenaleonova

Zöliakie-Patienten haben ein fast zehnfach höheres Risiko, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung zu entwickeln. Auch umgekehrt scheint es einen Zusammenhang zu geben.

Kliniker vermuten schon länger einen Zusammenhang zwischen Zöliakie und chronisch-entzündlichen Darm­erkrankungen. Der Gastroenterologin Professor Dr. Maria­ Ines Pinto-Sanchez von der McMaster University in Hamilton und ihren Kollegen gelang es mit einem systematischen Review, diese Hypothese mit Zahlen zu untermauern.

Die Forscher werteten 65 Studien der Jahre 1978 bis 2019 aus. Es handelte sich dabei mehrheitlich um europäische Publikationen, gefolgt von nord­amerikanischen und asiatischen Veröffentlichungen.

Patienten zukünftig zweifach screenen?

Insgesamt flossen die Daten von 13,6 Millionen Teilnehmern – sowohl Erwachsene als auch Kinder – in die Meta­analyse ein: 43 000 Zöliakiepatienten, 166 000 Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (darunter Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) sowie 13,4 Millionen Kontrollpersonen.

Nach einer Zöliakiediagnose steigt das Risiko für eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung um den Faktor 9,9 und umgekehrt geht eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit einem um das nahezu Vierfache erhöhten Zöliakierisiko einher, schreiben die Autoren. Die Evidenz bezüglich gemeinsamer serologischer Biomarker oder genetischer Prädispositionen sei allerdings nicht belastbar.

Ihre Beobachtungen könnten zukünftig die Behandlung der Betroffenen positiv beeinflussen, da das Übersehen der jeweils anderen Erkrankung den Therapieerfolg gefährdet, so die Experten. Es bleibe zu klären, ob ein Screening auf die jeweils andere Erkrankung aus Patientensicht sowie unter Kostenaspekten sinnvoll ist.

Quellen:
1. Pinto-Sanchez MI et al. Gastroenterol 2020; DOI: 10.1053/j.gastro.2020.05.016
2. Pressemitteilung McMaster University Hamilton