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Zöliakie: Neue Erkenntnisse zur Prävention

Autor: Dr. Andrea Wülker

Ein Teil der Kinder erhielt bereits im Säuglingsalter glutenhaltige Lebensmittel und wurde im Alter von 3 Jahren auf das Vorliegen einer Zöliakie untersucht. Ein Teil der Kinder erhielt bereits im Säuglingsalter glutenhaltige Lebensmittel und wurde im Alter von 3 Jahren auf das Vorliegen einer Zöliakie untersucht. © Tverdokhlib – stock.adobe.com
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Lange war es fraglich, ob der frühe Kontakt mit glutenhaltigen Lebensmitteln vor einer Zöliakie schützt. Studienergebnisse deuten nun darauf hin, dass die Konfrontation mit Gluten im Säuglingsalter einer Unverträglichkeit vorbeugen könnte.

Bisher gibt es kein allgemein akzeptiertes Konzept zur Prävention der Zöliakie. Einige Autoren vertreten die Ansicht, dass es im Hinblick auf das Erkrankungsrisiko keine Rolle spielt, wann und in welcher Dosierung Babys glutenhaltige Nahrungsmittel bekommen. Grundlage für diesen Standpunkt sind verschiedene randomisierte Studien, in denen Gluten allerdings in unterschiedlicher Dosierung und zu verschiedenen Zeitpunkten in die Ernährung von Säuglingen eingeführt wurde.

Um herauszufinden, ob die frühe Gabe hoher Glutenmengen die Zöliakieprävalenz bei Dreijährigen senkt, untersuchte das Team um Dr. ­Kirsty ­Logan von der School of Life Course Sciences am King’s College in London, Daten aus der EAT(Enquiring About Tolerance)-Studie. In dieser erhielten Säuglinge ab vier Monaten randomisiert entweder zusätzlich zur Muttermilch verschiedene Lebensmittel, die häufig Allergien auslösen (frühe Exposition), oder ihre Mütter wurden angewiesen, in der Ernährung ihrer Kinder allergieauslösende Lebensmittel zu meiden und die Babys bis zum Alter von etwa sechs Monaten ausschließlich zu stillen (Standard-Exposition). Für ihre Analyse konzentrierten sich die Londoner Forscher auf die Daten zur Glutenexposition. Als die Kinder drei Jahre alt waren, bestimmte man die Anti-Trans­glutaminase-Typ-2-Antikörper in deren Blut. Lagen die Spiegel über 20 IU/l, wurden die Kleinen an einen Gastroenterologen überwiesen.

Insgesamt werteten die Forscher die Daten von 1004 Kindern aus. Die im Alter von vier bis sechs Monaten durchschnittlich konsumierte Glutenmenge lag bei 0,49 g/Woche bei Standard-Glutenexposition. Die Babys mit früher Exposition hatten dagegen 2,66 g/ Woche des Klebereiweißes aufgenommen. 

Keines der Kinder, die Gluten erhalten hatten, erkrankte

Bei 1,4 % der Kinder, die sechs Monate lang (fast) nur gestillt worden waren, wurde im Alter von drei Jahren eine Zöliakie diagnostiziert. Von den Kindern, die früh mit Gluten konfrontiert worden waren, entwickelte keines eine Unverträglichkeit.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung lassen vermuten, dass eine frühe Zufuhr größerer Mengen an Gluten vor einer Zöliakie schützt, fassen die Autoren zusammen. Sie fordern weitere randomisiert-kontrollierte Studien, die dieses Thema genauer unter­suchen.

Quelle: Logan K et al. JAMA Pediatr 2020; e202893; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2020.2893

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