200 000 Euro Umsatz pro Arzt stecken im Kollektivvertrag

Gesundheitspolitik Autor: Michael Reischmann

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Der GKV-Honorarumsatz je Arzt stieg im Jahr 2011 gegenüber 2010 um 7010 Euro bzw. 3,6 % auf 202 338 Euro. Das besagt der aktuelle Honorarbericht der KBV. Wie kommt solch eine Durchschnittszahl zustande?

Die KV Schleswig-Holstein hat sich viel Mühe gemacht, mit ihrem ersten Honorarbericht Licht ins Dickicht der KV-Vergütung zu bringen. Um mehr Transparenz über die regionalen Gesamtvergütungen, Fallzahlen und das Honorar je Arzt und Arztgruppe zu erhalten, hat der Gesetzgeber mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz (§ 87c SGB V) die KBV verpflichtet, quartalsweise Honorarberichte zu veröffentlichen. Das tut sie auf der KBV-Homepage, wo jetzt auch der Bericht für das gesamte Jahr 2011 einsehbar ist.

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gemacht hast

In der <media 7339 _blank - "Grafik GKV Umsatz, Kollektivvertrag">hier verlinkten Übersicht</media> sind die Honorardurchschnitte für Allgemeinärzte und hausärztliche Internisten aufgeführt. Demnach wurden pro Hausarzt in den östlichen Bundesländern und Niedersachsen die höchsten GKV-Umsätze erzielt. Beim Fallwert ziehen jedoch Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein an ihnen vorbei. Allerdings bedürfen auffällige Abweichungen der Erklärung.


Die KBV weist darauf hin, dass das starke Honorarplus in Bayern durch die Kündigung der Hausarzt-Selektivverträge von AOK und Ersatzkassen zum 1.1.2011 ausgelöst wurde. Der Honorarrückgang in Hamburg wiederum ist Folge von Überzahlungen aus den ersten Quartalen des Jahres 2010, die ab IV/10 durch geringere Honorarzahlungen ausgeglichen wurden. In Sachsen wirkten sich nicht aufgelöste Rückstellungen bei den RLV-Bemessungen 2010 aus.


Rechnet die Kassenärztliche Bundesvereinigung diese drei KVen aus ihrer Betrachtung heraus, reduziert sich der Zuwachs des GKV-Umsatzes pro Hausarzt (inklusive Kinder- und Jugendärzte) von 15 225 auf 6174 Euro bzw. von + 8,3 % auf + 3,2 %. Was wieder zeigt: Aus Statistiken lässt sich viel herleiten. Was diese Honorarberichte jedoch nicht erlauben, sind Aussagen über die Einkommen der Ärzte. Dazu fehlen die Einnahmen aus Selektivverträgen, PKV und IGeL sowie der Abzug der Kosten.

MGV, RLV, QZV – wie der Arzt zu seinem Honorar kommt

Darauf weist auch die KV Schleswig-Holstein in ihrem Honorarbericht 2011 hin. Sie liefert nicht nur karge Zahlenreihen ab. Sie versucht, den komplexen Fluss des Beitragszahlergeldes über Krankenkasse und Gesundheitsfonds zum Arzt nachvollziehbar zu machen. Die Zwischenstationen lauten morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV), extrabudgetäre Vergütung, Sonderverträge, Fremdkassenzahlungsausgleich, haus-/fachärztliche MGV-Trennung, Rückstellungen, Honorarverteilung nach Arztgruppen, RLV, QZV, Ausgleichs- und Honorarstützungsmaßnahmen.


<media 7340 _blank - "Tortengrafik zum GKV-Umsatz">Tortengrafik zu GKV-Umsätzen</media>Den bunten Abschluss bildet die Detail-Analyse der GKV-Umsätze in den einzelnen Arztgruppen. Dazu gehört u.a. die Struktur der Einnahmen (<media 7340 _blank - "Grafik GKV Umsatz">Klick zur Grafik</media>) oder auch die Betrachtung von Umsatzgruppen. Beispiel: Das honorarstärk­ste Drittel der 1900 Hausärzte zwischen Nord- und Ostsee erzielte 2011 einen gemittelten GKV-Umsatz von rund 250 000 Euro, das umsatzschwächste Drittel nur gut 80 000 Euro. Der Bericht zeigt auch, dass der Benachteiligung von Land­ärzten mit überdurchschnittlichen Fallzahlen bei der RLV-Fallwertminderung mit dem Strukturfonds entgegengewirkt wird, sodass der hausärztliche Fallwert am Ende überall um die 55 Euro beträgt.