Abnehmen, liebe Männer!

Autor: Manuela Arand

Ein Männerbauch ist zwar keine Zierde, aber auch kein echtes Problem? Denken Sie um. Jeder Zentimeter mehr um die Taille gefährdet Gesundheit und Liebesleben. Abnehmen lohnt!

Lange Zeit haben selbst Experten geglaubt, das Fettgewebe sei nichts weiter als ein ziemlich träger, langweiliger Speicher für alle überschüssigen Kalorien, die der Mensch seinem Körper zuführt. Irrtum! In Wahrheit handelt es sich um ein hoch aktives Gewebe, in dem dutzendweise Botenstoffe gebildet werden und das den Stoffwechsel beeinflusst wie kaum ein zweites. Viele Forscher betrachten das Fettgewebe heute als echtes Organ wie die Leber oder die Bauchspeicheldrüse.



Fett ist aber nicht gleich Fett, wie Professor Dr. Alfred Wirth aus Bad Rothenfelde, Präsident der Deutschen Adipositasgesellschaft, betont. Was sich – besonders bei Frauen – an Oberschenkel und Hüften direkt unter der Haut ansammelt, ist aus gesundheitlicher Sicht sehr viel weniger bedenklich als das, was im Bauchraum zwischen den Organen sitzt und den „Bierbauch“ schwellen lässt. Fachleute nennen das „abdominale Adipositas“ und sagen voraus, dass diese das zentrale Gesundheitsproblem der nächsten Jahre und Jahrzehnte werden wird. Wer sein Herz-Kreislauf-Risiko abschätzen möchte, braucht nur zum Maßband zu greifen (siehe Kasten).

Je mehr Bäuche, desto mehr Diabetiker

Das „innere Bauchfett“ greift nämlich besonders stark (und natürlich negativ) in alle möglichen Stoffwechselvorgänge ein, zum Beispiel in den Zucker- und Fettstoffwechsel. Es ist kein Zufall, dass die Zahl der Diabetiker in den Industrienationen parallel zum Anteil der Dicken in der Bevölkerung steigt – Übergewicht und speziell die bauchbetonte Variante stellt den mit Abstand wichtigsten Risikofaktor für den Diabetes dar. Hinzu kommen häufig noch weitere Gesundheitsstörungen und Risikofaktoren, die allesamt durch den „Rettungsring“ gefördert werden: hohe Blutfette und hoher Blutdruck.

Das Quartett aus dickem Bauch, Diabetes, Fettstoffwechselstörung und Bluthochdruck kann auf direktem Wege in die Arteriosklerose und zum Herzinfarkt führen. Zum Glück geht die Rechnung auch andersherum auf – wenn der Bauchumfang schrumpft, sinken Blutzucker, Blutdruck und Blutfette und damit das Herzinfarktrisiko.

Wer dick ist, ist undiszipliniert?

Seit sich herumgesprochen hat, dass schwere Knochen und träge Drüsen als Entschuldigung für Übergewicht nicht taugen, ist die öffentliche Meinung umgeschlagen: Wer dick ist, ist undiszipliniert und verfressen, also letzten Endes selber schuld an seinen Pfunden. Doch das stimmt nur zum Teil: Etwa 80 % der Faktoren, die die Unterschiede im Körpergewicht zwischen einzelnen Menschen bestimmen, sind genetisch gesteuert, erklärt Professor Dr. Jens Jordan vom Berliner Uniklinikum Charité. Auch wie das Fett sich am Körper verteilt, wird zu 30 bis 40 % durch das Erbgut festgelegt.



Wer Glück hat, dessen Gene sorgen für einen hohen Grundumsatz, also dafür, dass der Körper schon in Ruhe viel Energie verbraucht. Gene bestimmen mit, worauf man Appetit hat und wann man satt ist. Sogar die körperliche Aktivität eines Menschen liegt im Erbgut. So gibt es Menschen, die ständig in Bewegung sind, sogar beim Fernsehen auf der Couch – die brauchen sich um ihr Gewicht meist keine Sorgen zu machen.


Das bedeutet aber nicht, dass man gegen seine Gene sowieso keine Chance hat und sich gehen lassen kann, betont Prof. Jordan. Menschen mit einer genetischen Neigung zum Dickwerden müssen nur besonders hart darum kämpfen, normalgewichtig zu werden und zu bleiben. Aber möglich ist das.

Dicker Bauch bedeutet auch weniger Testosteron

Und was hat das Liebesleben mit dem Bauch zu tun – mal abgesehen davon, dass ein großer Leibesumfang sicher rein mechanisch hinderlich sein kann? Ganz einfach: Jede Fettzelle ist eine kleine Chemiefabrik, die das Männerhormon Testosteron in Östrogen umwandelt. Je dicker der Speckgürtel, desto tiefer sinkt der Testosteronspiegel und desto höher steigt das Östrogen – das ist übrigens ein Grund, weshalb übergewichtige Männer manchmal einen „Busen“ entwickeln. Mit dem Testosteron nimmt das sexuelle Verlangen ab und schließlich schwächelt auch die Potenz.



Nach so viel Unerfreulichem kommt nun eine gute Nachricht: Männer werden ihr zu umfangreiches Bäuchlein viel leichter los als die Damen ihre Hüftröllchen und Reithosen. Denn weil das Fett rund um die inneren Organe sehr aktiv am Stoffwechsel teilnimmt, lässt es sich auch relativ leicht wieder abbauen.

Das gefährliche Fett sitzt innen

Was man dafür tun muss, ist simpel: weniger Energie aufnehmen als man verbraucht. Am besten funktioniert das, indem man an beiden Rädchen dreht. Und das heißt: einerseits den Speisezettel von Dickmachern entrümpeln und den Alkoholkonsum drosseln (ganz wichtig – Alkohol liefert enorm viele Kalorien, egal ob als Bier, Wein oder Schnaps), andererseits in Bewegung kommen, und das möglichst jeden Tag.



Dabei sollte Mann sich aber nicht nur auf den Bauch konzentrieren – Bauchmuskeltraining bringt in puncto Bauchumfang relativ wenig. Zwar werden die Muskeln straffer, aber innen, wo das gefährliche Fett sitzt, tut sich kaum etwas. Im übrigen ist es noch nie jemandem gelungen, allein durch Bauchmuskeltraining aus einem Bier- einen Waschbrettbauch zu machen.

Kreislauftraining lässt den Bauch schmelzen

Für das Testosteron reicht es als Soforthilfe schon, einen Schritt zuzulegen, wie englische Forscher kürzlich festgestellt haben. 45 Minuten flottes Gehen puschen den Hormonspiegel für einen Tag. Um den Bauch in die Schranken zu weisen, muss es nun einmal ein bisschen schweißtreibender sein. Sportarten wie Jogging oder Radfahren sind recht gut geeignet, weil sie nicht nur Kalorien verbrauchen, sondern den Kreislauf, den Stoffwechsel und den Energieumsatz ankurbeln, und das weit über die Trainingszeit hinaus: Eine Stunde lang kräftig in die Pedale treten zum Beispiel erhöht den Grundumsatz locker für 24 Stunden. Allerdings nur, wenn man sich wirklich anstrengt.


Falls Sie inzwischen auf die Idee gekommen sind, man könnte das gefährlich Bauchfett ja auch einfach absaugen lassen – das funktioniert leider nicht. Denn beim Fettabsaugen werden ja nur die Fettpolster entfernt, die direkt unter der Haut sitzen. An den Gefahrenherd hinter der Bauchmuskulatur kommt der Schönheitschirurg gar nicht heran. Amerikanische Forscher haben das untersucht: Nach dem Fettabsaugen waren ihre Versuchsteilnehmer zwar im Schnitt 10 Kilo leichter, aber alle Messwerte, an denen üblicherweise das Herzkreislaufrisiko festgestellt wird – Blutdruck, Cholesterinwerte und so fort – hatten sich nicht im mindesten verändert.

Wer also nicht nur seinem Äußeren, sondern gleichzeitig auch seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, muss wohl oder übel den anstrengenden Weg nehmen.

Das Maß der Dinge: Bauchumfang

Um festzustellen, ob Übergewicht Herz und Arterien in Gefahr bringt, braucht man weder aufwändige Messmethoden noch umständliche Rechenkunststücke – ein einfaches Maßband, wie man es in jedem Handarbeitskorb findet, genügt.



Für Männer gilt ein Bauchumfang von über 102 Zentimetern als Eintrittsgrenze in die Gefahrenzone, für Frauen sind es 88 Zentimeter. Gemessen wird im Stehen mit freiem Oberkörper, in der Mitte zwischen dem unteren Rippenbogen und dem Beckenknochen. Nicht den Bauch einziehen – der einzige, den Sie dabei beschummeln, sind Sie selbst!

Kennen Sie Ihren Body Mass Index?

Der Body Mass Index, kurz BMI, ist eine Zahl, anhand der Sie genau sehen können, ob Sie zu viel, zu wenig oder genau die richtige Menge an Pfunden auf den Hüften haben. Gerade wenn es um gesundheitliche Risiken bei Diabetes oder Bluthochdruck zum Beispiel geht, orientieren sich Mediziner oft an diesem Wert.



Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße im Quadrat. Klingt kompliziert? Mit unserem BMI-Rechner ist die Rechnerei ganz leicht. Sie müssen lediglich zwei Felder ausfüllen und auf „BMI berechnen“ klicken, um Ihren persönlichen BMI-Wert – und natürlich eine Erklärung dazu – zu erhalten.


thinkstock