Abrechnungs-Check der KV Niedersachsen: 5000 Euro mehr Honorar pro Arzt

Gesundheitspolitik Autor: Anke Thomas

Irisblende

Mit einem kosten­losen Praxis-Honorar-Check wirbt seit jüngstem die KV Niedersachsen. Durchschnittlich 3000 bis 5000 Euro könne ein Arzt durch die Optimierung seiner Abrechnung pro Jahr zusätzlich verdienen.

Bereits im September haben die Berater der neuen KV-Abteilung „Beratung“ ihre Arbeit aufgenommen und seither rund 300 Kolleginnen und Kollegen in ihren Praxen aufgesucht. Als Grundlage für das etwa einstündige Beratungsgespräch dienen den KV-Mitarbeitern die jeweiligen Honorarabrechnungen der letzten Quartale. Zudem werden alle umsatzrelevanten Praxisbereiche analysiert. Dem Arzt werden anschließend im persönlichen Gespräch alle Abrechnungsdaten übersichtlich vorgestellt und er erhält einen Vergleich zu seiner Fachgruppe.

Ziel des KV-Vorstands ist es, dass bis 2013 jeder der 13 600 Ärzte zumindest einmal von den Beratern persönlich kontaktiert beziehungsweise den Ärzten der Service angeboten wurde.

Durchschnittlich 3000 bis 5000 Euro mehr Honorar pro Jahr ist drin, so das erste Fazit der niedersächsischen KV-Berater. Die Potenziale liegen eher nicht in den EBM-Leistungen, erklärt KV-Pressesprecher Detlef Haffke gegenüber Medical Tribune. Vielmehr sind grundsätzlich zwei Bereiche interessant, die Ärzten das zusätzliche Honorar bescheren könnten.

Prävention deutlich ausbaufähig

Zum einen schöpfen Ärzte die Möglichkeiten der ungedeckelten Präventionsleistungen (Check up, Krebsvorsorge, Impfen etc.) nicht aus. Viele bieten diese Leistungen nicht aktiv an, sagt Haffke. Dabei sind insbesondere die Männer Vorsorgemuffel, die die direkte Ansprache des Praxisteams gebrauchen könnten. Dieser Bereich ist insbesondere bei Hausärzten deutlich ausbaufähig.

Zum anderen gibt es viele Kollegen, die Sonderverträge (DMP, integrierte Verträge, hausarztzentrierte Versorgung) nicht nutzen. Natürlich, so Haffke, gibt es auch Ärzte, die sich bewusst gegen Sonderverträge entschieden haben. Das bleibt jedem selbst überlassen.

Auch erhalten Kollegen im Beratungsgespräch Einblicke: Wie viel wird aus dem RLV generiert, wie viel aus dem QZV? Einige wenige Kollegen haben noch Luft in ihren Budgets, andere sollten ihre Versichertenstruktur überdenken.

Der neue Service kommt sehr gut an

Nach jedem Gespräch erhalten Ärzte einen Fragebogen, in dem sie den neuen KV-Service anonym bewerten sollen. Die Rücklaufquote liegt bei derzeit rund 60 %, sagt Haffke. Und die Beratungen kommen offenbar gut an: Die Gespräche wurden bisher von Ärzten mit gut bis sehr gut bewertet.

Es gibt auch Kritik, berichtet Haffke. Diese bezieht sich aber nicht auf die Beratungsgespräche, sondern ist eher allgemeiner Natur. Sehr kritisch äußern sich Ärzte zum Beispiel zu den Honoraren, wobei hier nicht die Höhe im Fokus steht. Vielmehr stößt den Kollegen das ständige Auf und Ab der Honorare sauer auf, sagt der KV-Sprecher. Der größte Wunsch der Ärzte: Eine verlässliche, planbare und stabile Honorarlage. Schließlich ist nur so auch eine vernünftige Unternehmensführung der Praxis möglich.

Junge Ärzte künftig wirtschaftlich begleiten

Wirtschaftlichkeitsprüfungen, Regresse oder Plausibilitäten sind nicht Gegenstand der Beratungen und bleiben außen vor. Der Service der KV, so die weitere Planung, soll in Zukunft ausgebaut werden. Gerade junge, frisch niedergelassene Kollegen sollen künftig frühzeitig in betriebswirtschaftlichen Fragen an die Hand genommen werden, damit die Praxis von Anfang an auf eine solide Basis gestellt wird und wirtschaftliche Aspekte bei der Praxisführung die nötige Beachtung finden.

34 Millionen Euro zusätzliches Honorar

Würde nur die Hälfte der niedersächsischen Ärzte den Empfehlungen des KV-Beratungsteams folgen, wäre ein deutlicher Honorarzufluss zu erzielen. Bei durchschnittlich 5000 Euro zusätzlichem Honorar und 6800 Ärzten (13 600 geteilt durch zwei) käme immerhin eine Summe von 34 Millionen Euro heraus.