Ärzte-Bewertung jetzt bundesweit im Einsatz

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Ein Internet-Angebot von AOK und Barmer GEK gibt Auskunft darüber, wo man einen guten Arzt finden kann. Patientenorganisationen waren maßgeblich an der Erarbeitung beteiligt. Das Ergebnis stellt jedoch keine Ranking-Liste dar.

Beteiligt am „Navigator“ ist neben den Kassen auch die Weisse Liste. Ihr gehören die Bertelsmann-Stiftung sowie die Dachverbände der größten Patientenorganisationen an.


Er enthält 33 Fragen, u.a. zu Terminvergabe, Wartezeiten, Sauberkeit der Praxis, Freundlichkeit des Personals. Weitere Punkte sind die Kommunikation mit dem Arzt und die Behandlung.

In neun von zehn Fällen eine Weiterempfehlung

Das Online-Portal steht 30 Mio. Versicherten von AOK und Barmer GEK für eine anonymisierte Teilnahme an der Arztbewertung zur Verfügung. Die Bewertungen selbst sind für alle Interessenten einsehbar.


Finanziert wird das Ganze über die Bertelsmann-Stiftung. Bisher flossen rund 800 000 Euro in das Projekt, das von sieben Mitarbeitern der Weissen Liste betreut wird.


Wie groß das Interesse am Angebot ist, zeigte sich bereits am Tag nach der Freischaltung von Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.aok-arztnavi.de; Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://arztnavi.barmer-gek.de und  Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.weisse-liste.de. Der gemeinsame Server war total überlastet, die Arztsuche unmöglich.

Etwa 13 000 Ärztebewertungen sind öffentlich einsehbar

Der sogenannte Arztnavigator basiert auf der Auswertung eines Pilotprojektes in den Bundesländern Berlin, Hamburg und Thüringen, bei dem rund 45 000 Fragebögen zu Ärzten ausgefüllt worden waren.


Jeder Vertragsarzt, der mindestens zehn Bewertungen erhalten hat, ist somit jetzt im Netz mit dem Ergebnis verzeichnet. In Thüringen sind das rund 25 % der Hausärzte, gefolgt von Berlin (12 %) und Hamburg (6 %). Rund 13 000 Ärztebewertungen sind öffentlich einsehbar.


Die Testphase zeigte bereits eine hohe Zufriedenheit der Patienten. Rund 90 % gaben an, den eigenen Arzt ihrem besten Freund „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“ weiterempfehlen zu wollen. Mit 91 % Zustimmung liegen die Hausärzte vor den Fachärzten (82 %).

Patienten möchten befragt werden

Eine gute Arztkommunikation bewerten Patienten sehr hoch. Wichtig ist für sie zum Beispiel, dass der Arzt den Patienten in Diagnose- und Therapieentscheidungen mit einbezieht und die Behandlungsschritte genau erklärt. Auch ob der Behandler auf Fragen und Ängste eingeht, beeinflusst die Weiterempfehlung.


Großen Wert legen Patienten weiterhin auf regelmäßige Nachfragen zur Verträglichkeit verordneter Medikamente. In diesem Bereich liegt die Zustimmung für die Behandler zwischen 60 und 100 %.

Verlässliche Informationen über niedergelassene Ärzte

Als wichtig beurteilt wird auch, ob sich ein Arzt Zeit für den Patienten nimmt. Ärzte, die weiterempfohlen werden, erhielten hier 99,6 % Zustimmung auf einer Skala von „trifft voll und ganz zu“ bis „trifft überhaupt nicht zu“.


„Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen“, lobte der stellvertretende Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, den in Berlin vorgestellten Arztnavigator. Für die Versicherten biete das Portal verlässliche Informationen über die Qualität und das Angebot niedergelassener Ärzte. Und für die beurteilten Mediziner biete es ein „Maximum an Fairness“.

Keine AOK-Bewertungen in Baden-Württemberg

So gibt es (anders als von Ärzten befürchtet) kein Ranking nach Bewertungen. In der Suche werden die Praxen nach der Entfernung zum Suchort aufgeführt.


Vergleiche zu bestimmten Kriterien sind immer nur zwischen zwei Ärzten möglich. Auf ein Freitextfeld für individuelle (und eventuell diffamierende) Patientenbewertungen wurde bewusst verzichtet.


Dafür haben Ärzte die Möglichkeit, ihre Beurteilungen in einem Feld mit 600 Zeichen zu kommentieren.


Der Fragenkatalog baut zudem auf Qualitätskriterien auf, die die Ärzteschaft selbst entwickelt hat. Dies bietet den Praxen die Möglichkeit, das Feedback der Patienten als Baustein im internen Qualitätsmanagement zu verwenden. Wer das Portal dennoch nicht als Spiegel der eigenen Arbeit sehen will, kann sich von der Bewertung ausnehmen lassen.


Statt der Bewertung ist dann zu lesen, dass die Freigabe nicht erlaubt wurde, was allerdings auch nicht unbedingt von Vorteil sein dürfte.

Die Aussagekraft des Portals wächst ständig

Wie Graalmann erklärte, lebt das Portal vom Mitmachen der Patienten: „Je mehr sich beteiligen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse.“

Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, ist zuversichtlich, dass durch die Versicherten „eine rasche Füllung erfolgt“. Es gebe zudem Interesse bei weiteren großen Krankenkassen. Auch eine Einbeziehung von Zahnärzten und Psychotherapeuten sei geplant. Dr. Schlenker nannte den Arztnavigator ein „kassenartenübergreifendes Projekt, das richtungsweisend ist“.


Baden-Württemberg ist übrigens das einzige Bundesland, wo der AOK-Arztnavigator aktuell nur zur Suche und nicht zur Bewertung der Ärzte genutzt werden kann. AOK-Chef Dr. Rolf Hoberg will zunächst die Erfahrungen aus anderen Regionen abwarten.