Behandlungsfehler: mehr Vorwürfe, aber stabile Fehlerquote

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Medizinischer Dienst der Krankenkassen stellt Gutachten-Statistik vor: Danach melden Patienten immer mehr Begutachtungen zu vermuteten Behandlungsfehlern an. In jedem dritten Fall werden die Vorwürfe bestätigt.

Wie Dr. Stefan Gronemeyer, stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS), auf einer Pressekonferenz angab, wurden im vergangenen Jahr 12 686 Behandlungsfehlergutachten durch die MDK-Sachverständigen erstellt. Vier Jahre zuvor waren es knapp 11 000 gewesen. In nahezu jedem dritten Fall (32 %) wurde 2011 der Behandlungsfehler bestätigt.

Dr. Gronemeyer stellte allerdings auch klar, dass der Anteil der Fälle, in denen die Kausalität des Behandlungsfehlers für den Schaden nachgewiesen wird, mit 25 % an allen Verdachtsfällen über die Jahre unverändert ist. „Es nehmen also nicht die Behandlungsfehler zu, sondern die Vorwürfe“, so der Leitende Arzt des MDS.

Im stationären Bereich die meisten Behandlungsfehler-Vorwürfe

Im Verdacht stand im vergangenen Jahr bei den Patienten vor allem der stationäre Bereich mit mehr als 8500 vermuteten Behandlungsfehlern. Die Liste der vermeintlichen Verursacher wurde angeführt von Orthopäden / Unfallchirurgen (2637 Gutachten), gefolgt von Chirurgen und Gynäkologen / Geburtsmedizinern. Im ambulanten Bereich standen in erster Linie die Zahnmediziner (936) unter Verdacht, gefolgt von Orthopäden / Unfallchirurgen und Chirurgen. Platz 4 belegten die Internisten. Die ambulant tätigen Allgemeinmediziner nahmen die siebte Stelle ein.

Therapie, Diagnose, Dokumentation: Wo wurden Behandlungsfehler bestätigt?

Fehler aufgedeckt wurden überwiegend bei therapeutischen Eingriffen (41,5 %), beim Therapiemanagement (25 %), bei der Diagnose (24,5 %) sowie bei der Dokumentation (20 %). Bei einer erheblichen Zahl von Behandlungsfehlern wurde sogar eine Verkettung von Versäumnissen nachgewiesen. Drei Viertel aller Behandlungsfehler konnten als ursächlich für den gesundheitlichen Schaden bestätigt werden. Bei den übrigen 25 % wurde zwar der Fehler bestätigt, jedoch blieb dieser ohne Auswirkungen auf den Patienten.

In der Pflege wurden die meisten Vorwürfe bestätigt

„Viele Vorwürfe bedeuten nicht automatisch auch viele Behandlungsfehler“, bestätigte Professor Dr. Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern. So war das Fachgebiet Orthopädie / Unfallchirurgie mit 3539 Vorwürfen überzogen worden, der Bereich Pflege mit 642. Bei bestätigten Behandlungsfehlern lag allerdings die Pflege mit 50,8 % an der Spitze, gefolgt von der Zahnmedizin (42,8 %). Die Orthopädie/Unfallchirurgie lag mit 30,2 % nur im Mittelfeld. Platz 3 erreichten die Allgemeinärzte mit einer Fehler-Bestätigungsquote von 41,8 %. Gegen sie gingen allerdings auch nur 220 Prüf­anträge ein – 179 zur ambulanten, 41 zur stationären Behandlung.

Dr. Gronemeyer zeigte sich zufrieden, dass die Patienten zunehmend gegen Behandlungsfehler vorgehen. Er lobte in diesem Zusammenhang die Bestrebungen der Regierung für ein Patientenrechtegesetz, das die Unterstützung der Krankenkassen bei vermuteten Behandlungsfehlern zur Pflicht machen soll. Sprunghafte Veränderungen erwartet der MDS-Geschäftsführer vom Gesetz allerdings nicht. Viele Krankenkassen hätten bereits ihr Behandlungsfehlermanagement ausgebaut.


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