CAPTURE™ - Fünf Fragen und einmal Pusten offenbaren die COPD

Autor: Dr. Anja Braunwarth

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Ein kurzer, einfacher Fragebogen namens CAPTURE™ kann dazu beitragen, eine COPD frühzeitig zu erkennen.

Als Goldstandard der COPD-Diagnostik gilt die Spirometrie. Aber sie eignet sich kaum als Screening-Instrument in der Allgemeinbevölkerung. Forscher haben nun einen einfachen Bogen mit fünf Fragen (s. Kasten) eingesetzt, um Menschen mit COPD herauszufischen. Sie verzichteten bewusst auf die explizite Frage nach dem Nikotinkonsum, zum einen, um weniger abschätzend zu wirken, zum anderen, um auch andere exponierende Faktoren zu erfassen.

In dem CAPTURE™ genannten Tool gibt es für jedes „Ja“ einen Punkt plus einen zusätzlichen, wenn die Probanden mindestens zwei respiratorische Zwischenfälle im vergangenen Jahr erlitten hatten. Bei einer Punktzahl von 0 oder 1 erhielten die Teilnehmer keine weitere Diagnostik, bei 5 und 6 Punkten erfolgte die ausführlichere Abklärung.

Mit CAPTURE™ zum COPD-Verdacht

Der Fragebogen „COPD Assessment in Primary Care To Identify Undiagnosed Respiratory Disease and Exacerbation Risk“ sieht folgende Items vor:

  1. Haben Sie jemals an einem Ort mit Luftverschmutzung gelebt/gearbeitet oder waren Sie (Passiv-)Rauch oder Staub ausgesetzt?
  2. Ändert sich Ihre Atmung mit Jahreszeiten,Wetter oder Luftqualität?
  3. Haben Sie Probleme beim Atmen, wenn Sie schwere Sachen heben, Schmutz oder Schnee schippen, joggen, Tennis spielen oder schwimmen?
  4. Ermüden Sie im Vergleich zu anderen Menschen Ihres Alters schneller?
  5. Wie oft haben Sie in den vergangenen zwölf Monaten Arbeits/-Schulzeit oder andere Aktivitäten wegen einer Erkältung, Bronchitis oder Pneumonie versäumt?

Hohe Sensitivität, spezifische Abgrenzung von Gesunden

Probanden mit 2 bis 4 Punkten mussten einmal ans Peak-Flow-Meter. Männer, die dabei weniger als 350 l/min schafften, und Frauen mit weniger als 250 ml/min wurden dann ebenfalls zur definitiven COPD-Diagnostik geschickt.

Insgesamt füllten 346 Personen das Formular aus. 186 hatten eine gesicherte, moderate bis schwere COPD, d.h. mindestens eine Ex­azerbation im vorangegangenen Jahr und/oder eine FEV1 < 60 %. 160 waren lungengesund oder hatten eine milde COPD (FEV1 ≥ 60 %, keine Exazerbationen) und dienten als Kontrollgruppe.

Bei der Differenzierung zwischen COPD- und allen Kontrollpatienten erreichte die Kombination aus CAPTURE™ und Peak-Flow-Meter eine Sensitivität von 89,7 % und eine Spezifität von 78,1 %. Die Abgrenzung gegenüber lungengesunden Kontrollen gelang mit der gleichen Sensitivität, aber höherer Spezifität (93,1 %).

Das einfache Vorgehen mittels Fragebogen und ggf. nachgeschalteter Peak-Flow-Messung scheint sich sehr gut für die tägliche Praxis zu eignen, um COPD-Patienten früh zu identifizieren. Dies könne die Chance der Betroffenen erhöhen, frühzeitg adäquat behandelt zu werden, müsse aber noch weiter evaluiert werden, so die Autoren.

Quelle: aus der Fachliteratur
Martinez FJ et al. Am J Respir Crit Care Med 2016; online first