Der US-GröFaZ hat ein Nashorn erkannt

Kolumnen Autor: Erich Kögler

Der Militärarzt des Weißen Hauses hat den US-Präsidenten unlängst einem eingehenden Test unterzogen. © fotolia/Cory

US-Präsident Donald Trump und sein Geisteszustand – in unserer Meinungskolumne "Mit spitzer Feder".

Seit gut einem Jahr ist er jetzt im Amt und in diesen zwölf Monaten gab es schon so manchen Anlass, am Geisteszustand von Donald Trump zu zweifeln. Öffentliche Auftritte, verbale Entgleisungen und überaus dubiose Twitter-Botschaften in rasanter Abfolge nährten immer wieder den Verdacht, dass es um das unter der aufsehenerregenden Frisur vermutete Hirn des selbsternannten Weltenlenkers nicht allzu gut bestellt sein könnte.

Doch Ronny Jackson sei Dank. Der Militärarzt des Weißen Hauses hat jetzt dafür gesorgt, dass ich endlich wieder besser schlafe. Der Mediziner im Rang eines Konteradmirals hat den US-Präsidenten unlängst einem eingehenden Test unterzogen und konnte die Öffentlichkeit hinterher beruhigen. Es gebe „kein Anzeichen, dass er irgendein kognitives Problem hat“, konstatierte Jackson und attestierte dem 71-Jährigen vielmehr, er sei „geistig sehr klar“.

Trump hat sich schließlich dem „Montreal Cognitive Assessment“ (Moca) unterzogen und dabei die volle Punktzahl eingeheimst. Im Rahmen dieses zehnminütigen Tests hat er unter anderem nicht nur ein auf ein Blatt Papier gemaltes Nashorn erkannt, sondern auch auf weiteren Bildern einen Löwen und ein Kamel identifiziert. Er konnte das korrekte Datum nennen, einen Satz völlig korrekt nachsprechen und die komplizierte Zahlenfolge 742 aus dem Gedächtnis sogar rückwärts aufsagen. Auch das Zeichnen eines Zifferblatts, auf dem die Zeiger der Uhr zehn nach elf anzeigen, meisterte er mit Bravour.

Militärarzt Jackson sparte angesichts derartiger intellektueller Höchstleistungen denn auch hinterher nicht mit Lob für den prominenten Patienten. Die treuen Trump-Wähler in den Vereinigten Staaten wird das positive Untersuchungsergebnis nicht sonderlich überrascht haben, denn für sie ist der Mann im Weißen Haus ohnehin der „GröFaZ“, der größte Führer aller Zeiten – egal, wie viel Unsinn er auch verzapfen, egal, wie viele diplomatische Verunsicherungen er auch auslösen mag.

Andernorts jedoch ist man nach wie vor skeptisch und stellt die Aussagekraft des Jackson-Tests infrage. Diesbezügliche Unsicherheit keimt denn auch prompt wieder auf: War der Konteradmiral wirklich gründlich und gewissenhaft genug? Ist auf seine Diagnose tatsächlich Verlass? Jüngste Statements aus dem Oval Office lassen da durchaus berechtigte Zweifel aufkommen. Und schon ist es wieder um meine Nachtruhe geschehen.

So bleibt wohl letztlich doch nur eine Hoffnung: Möge der mächtige Mann in Washington im Ernstfall sein Nuklearköfferchen doch mit jenem Kulturbeutel verwechseln, in dem er seine Haarspray-Vorräte aufbewahrt!