Die Hölle geht, der Ring bleibt

Kolumnen Autor: Dr. Frauke Gehring

Nach einer Hochzeit und Namensänderung müssen Mailadresse, Praxisstempel, -homepage und -schild angepasst werden. © Fotolia/AK-DigiArt

Nichts ist mehr, wie es mal war. „Raider“ ist schon lange „Twix“, unser Bundespräsident heißt jetzt Steinmeier und nicht mehr Gauck, und selbst Dr. Höllering heißt nicht mehr wie zuvor. „Die Hölle geht, der Ring bleibt!“, hatte ich schon vor Monaten auf unserer Praxis- Homepage angekündigt, um klar zu machen, dass am 1. Juli aus Dr. Höllering Dr. Gehring werden würde. Tatsächlich haben es der Mann meines Herzens und ich beim Erscheinen dieser Kolumne schon gewagt, nach 15 wundervollen gemeinsamen Jahren in den Hafen der Ehe einzulaufen.

Muss man aber, wenn man dies als gestandene Großeltern tut, tatsächlich noch einmal den bekannten und bewährten Namen ändern? Ja, hatte ich ganz allein für mich entschieden, ich muss. Nicht, dass die „Hölle“ in meinem alten Namen tatsächlich für bare Münze hätte genommen werden müssen; mein altes Leben hatte durchaus viele himmlische Momente und wurde durch zwei wunderbare Söhne gekrönt. Aber sollte ich die nächsten gehofft 40 Jahre an der Seite des einen Mannes mit dem Namen des anderen verbringen?

„Kurz vor der Rente noch einmal etwas Verrücktes gewagt"

Nach Wochen nächtlichen Nachdenkens hatte ich entschieden, das nicht zu wollen, und überraschte meinen Verlobten mit dieser Entscheidung. Nicht nur meine Kinder und meine Großfamilie, sondern auch meine Kollegin und Mitarbeiter hatte ich um ihre Meinung gefragt. Würden sie damit leben können, dass ich weder „Höllering-Gehring“, noch „Gehring-Höllering“ oder einfach weiter „Höllering“ heißen würde? Sie würden, versprachen sie, zumal die erstgenannten Zungenbrecher mehr wie das Lallen eines Betrunkenen klängen als wie ein ernst zu nehmender Name.

Der Vorschlag meines Zukünftigen, einfach ein „Ring“ als kleinsten gemeinsamen Nenner zu nehmen, war so genial wie leider nicht durchführbar mit unseren Behörden.

Nun schmückt mein Foto ein anderer Name. Während ich dies schreibe, kann ich nur hoffen, dass die Hochzeit so zauberhaft war, wie von mir erträumt und von uns beiden geplant. Denn während Sie diese Zeilen lesen, stecke ich sicher in einem Wust von nerviger Arbeit und vielleicht auch Zweifeln. Versicherungen, Ärztekammer, KV, Telefonanbieter und alle anderen Versorger müssen informiert werden. Mailadresse, Praxisstempel, -homepage und -schild müssen geändert werden.

Mein zweites Dasein als Internet­ärztin, Autorin, Dozentin und TV-Expertin wurde abrupt abgeschnitten, denn wer mich nun unter meinem neuen Namen sucht, findet zunächst einmal nichts. Also gilt es, alle Ansprechpartner zu informieren, dass ich nicht vom Erdboden verschwunden bin, sondern nur den Namen gewechselt habe. Bei Anne Will durfte ich zweimal zu Gast sein, eine weitere Einladung musste ich absagen, eine sie. Ob ich sie noch einmal unter neuem Namen treffen werde?

Noch stecken wir in den Hochzeitsvorbereitungen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, welche Verwicklungen noch auf mich zukommen, an die ich bisher nicht gedacht habe. Die Patient(inn)en unserer Kleinstadt werden am schnellsten wissen, dass meine Kollegin keinen neuen Kompagnon hat, sondern der alte kurz vor der Rente noch einmal etwas Neues, Verrücktes gewagt hat.

„Ich war bei Ihrem Exmann. Der ist ja toll!"

Irgendwann wird es soweit sein, dass der kleine Postverkehr zwischen der Praxis meines Exmannes und mir, mit dem wir verirrte Briefe zurückgeben, versiegt, und irgendwann werden auch keine Patienten von mir eine Wurzelspitzenresektion mehr verlangen in der irrigen Vorstellung, ich wäre mein kieferchirurgischer Exmann. Der wird dafür keine internistischen Arztbriefe verwirrter Klinikkollegen mehr bekommen, und meine Mitarbeiterinnen werden irgendwann seine Praxisnummer vergessen, die sie jetzt im Schlaf herbeten können.

Ich werde aber auch keine Geschichten mehr hören, die mit „Ihr Mann ist ja ein fantastischer Kieferchirurg!“ beginnen, oder mit „Ich war bei Ihrem Exmann. Der ist ja toll“. So sehr ich seine beruflichen Meriten anerkenne: Tempi passati, ich habe schon lange damit nichts mehr zu tun und will auch nicht darüber plaudern! Der Mann meines Herzens arbeitet ganz unmedizinisch in einer anderen Stadt und freut sich, dass ich bald auch namentlich ganz zu ihm gehören werde. Sie bleiben mir hoffentlich auch mit neuer Unterschrift gewogen!